Sie kaufen einen prächtigen Basilikumtopf bei Edeka oder Rewe für 1,99 Euro, stellen ihn auf die Fensterbank, und zehn Tage später hängen die Blätter schlaff herunter und die Stängel werden braun. Das passiert fast jedem, und es liegt nicht an Ihnen. Es liegt daran, dass dieser Topf nie dafür gedacht war, lange zu leben. Wer das versteht, kann den Topf retten oder gleich anders pflanzen und hat dann bis in den September hinein frisches Basilikum.
Der Trick liegt darin, zu begreifen, was Sie da eigentlich gekauft haben. In so einem Supermarkttopf stecken nicht eine, sondern oft fünfzig bis siebzig einzelne Pflanzen, die viel zu dicht zusammengepfercht wurden, damit der Topf im Regal voll und üppig aussieht. Diese Pflanzen konkurrieren um jeden Tropfen Wasser und jedes bisschen Wurzelraum. Sie sind auf schnellen Verkauf gezüchtet, nicht auf ein langes Leben auf Ihrer Fensterbank. Kein Wunder, dass sie kollabieren.
So retten Sie den Supermarkttopf
Wenn Sie heute so einen Topf zu Hause stehen haben, holen Sie ihn aus dem Plastik und teilen Sie den Wurzelballen vorsichtig in drei oder vier Portionen. Setzen Sie jede Portion in einen eigenen Topf mit frischer Kräutererde, am besten von Compo oder Floragard. Plötzlich hat jede Gruppe Platz, und was vorher eingegangen wäre, treibt kräftig nach.
Gießen Sie von unten, nicht von oben. Stellen Sie den Topf für zehn Minuten in eine Schale mit Wasser und lassen Sie die Erde sich vollsaugen. Basilikum hasst nasse Blätter und nasse Stängelbasis, beides führt direkt zu Fäulnis. Diese eine Umstellung hält mehr Töpfe am Leben als alles andere.
Ernten heißt nicht zupfen
Hier machen die meisten den entscheidenden Fehler, und es ist ein hartnäckiger. Sie zupfen einzelne Blätter von unten ab, immer die größten und schönsten zuerst. Genau das bringt die Pflanze um. Basilikum wächst an den Spitzen, und wenn Sie unten Blätter klauen, schwächen Sie die Pflanze, ohne sie zum Verzweigen zu bringen.
Schneiden Sie stattdessen ganze Triebspitzen ab, immer direkt über einem Blattpaar. Aus dieser Stelle wachsen dann zwei neue Triebe statt einem. Wer alle ein bis zwei Wochen so erntet, bekommt aus einer mickrigen Pflanze einen buschigen kleinen Strauch. Es klingt widersinnig, aber je mehr Sie richtig schneiden, desto mehr Basilikum bekommen Sie.
Und sobald sich oben kleine Blütenknospen zeigen, kneifen Sie die sofort weg. Blüht das Basilikum, schmecken die Blätter bitter und die Pflanze steckt ihre ganze Kraft in Samen statt in Blätter. Im Juni schießt Basilikum bei diesen warmen Tagen besonders schnell, also schauen Sie zweimal die Woche nach.
Drinnen oder draußen?
Ab Ende Juni, wenn die Nächte zuverlässig über zehn Grad bleiben, gehört Basilikum nach draußen. Auf den Balkon, in den Garten, in einen größeren Kübel. Draußen bekommt es mehr Licht und mehr Luft, und beides liebt es.
- Standort: Vollsonne bis Halbschatten, mindestens sechs Stunden Sonne am Tag. Ein Südbalkon ist ideal, solange die Pflanze nicht in der prallen Mittagshitze austrocknet.
- Windgeschützt, denn Basilikum mag keinen ständigen Zug an den Blättern.
- Nachbarschaft: Setzen Sie es neben Ihre Tomaten. Die beiden vertragen sich gut, und viele Gärtner schwören darauf, dass das Basilikum Schädlinge von den Tomaten fernhält. Ob das stimmt, ist umstritten, aber geschmacklich passen sie ohnehin zusammen.
Wer es ernst meint, kauft eine andere Pflanze
Der Supermarkttopf ist eine Notlösung. Wenn Sie wirklich den ganzen Sommer über ernten wollen, kaufen Sie eine einzelne, kräftige Basilikumpflanze im Gartencenter oder bei Dehner, oft für drei bis vier Euro. Diese eine Pflanze wurde von Anfang an mit genug Platz gezogen und hält locker bis in den Herbst, statt nach zwei Wochen einzugehen.
Noch günstiger und für mich die schönste Variante: aus Samen ziehen. Eine Tüte Genoveser Basilikum von Kiepenkerl oder Sperli kostet keine zwei Euro und liefert Dutzende Pflanzen. Ende Mai bis Mitte Juni ist der ideale Zeitpunkt, die Samen direkt in den Topf zu säen, weil der Boden dann warm genug ist. Decken Sie die Samen nur ganz dünn mit Erde ab, denn Basilikum ist ein Lichtkeimer und braucht Licht zum Keimen. Nach gut einer Woche zeigen sich die ersten Keimblätter.
Probieren Sie ruhig auch mal eine andere Sorte als das übliche Genoveser. Rotes Basilikum macht optisch was her im Topf, Zitronenbasilikum passt hervorragend zu Fisch, und Thai-Basilikum mit seinem Anis-Aroma ist für asiatische Gerichte unverzichtbar. Im Supermarkt bekommen Sie diese Sorten so gut wie nie, im Saatgut-Regal dagegen schon.
Was tun mit der Ernte im Hochsommer
Im Juli haben Sie irgendwann mehr Basilikum, als Sie frisch verbrauchen können. Trocknen lohnt sich bei Basilikum kaum, das Aroma verfliegt fast vollständig. Besser frieren Sie es ein, und zwar nicht als ganze Blätter, sondern verarbeitet.
Pürieren Sie die Blätter mit etwas Olivenöl zu einer groben Paste und füllen Sie die in Eiswürfelformen. Eingefroren haben Sie dann portionsweise Basilikum für den Winter, das im Geschmack erstaunlich nah am frischen liegt. Pesto geht natürlich auch, hält im Kühlschrank unter einer Ölschicht aber nur ein paar Tage, im Tiefkühler dafür Monate.
Ein letzter Hinweis, der oft vergessen wird: Basilikum, das einmal richtig welk war und sich nicht mehr aufrichtet, kommt nicht zurück. Schlaffe Blätter durch Trockenheit erholen sich nach dem Gießen, braune und glasige Stängel dagegen nicht. Werfen Sie diese Pflanze weg und fangen Sie neu an, statt wochenlang etwas zu päppeln, das schon verloren ist. Für zwei Euro ist ein Neuanfang allemal billiger als die Mühe.