Ende Juni, und der Rasen knirscht schon unter den Füßen. Wer in den letzten Sommern einen Garten in Deutschland, Österreich oder der Schweiz bewirtschaftet hat, kennt das Muster: Im Mai noch satt und grün, ab der zweiten Junihälfte fängt der Boden an zu reißen. Die Sommer 2022 bis 2024 haben gezeigt, dass die alte Faustregel „einmal in der Woche kräftig gießen" nicht mehr reicht, sobald drei Wochen ohne nennenswerten Regen aufeinandertreffen und das Thermometer mittags über 32 Grad klettert.
Gleichzeitig wird Leitungswasser teurer und in manchen Regionen knapp. In Teilen Brandenburgs und Niedersachsens galten bereits im Vorsommer kommunale Entnahmeverbote für Oberflächenwasser. Es lohnt sich also, jetzt nicht einfach mehr zu gießen, sondern klüger.
Wann gießen wirklich zählt
Der häufigste Fehler ist die Uhrzeit. Wer abends um acht nach der Arbeit zum Schlauch greift, tut der Pflanze keinen Gefallen: Über Nacht bleibt das Laub feucht, und genau das lieben Mehltau und Schnecken. Besser ist die Stunde zwischen fünf und sieben Uhr morgens, wenn der Boden kühl ist und das Wasser bis in den Wurzelbereich sinkt, bevor die Sonne es von der Oberfläche wegzieht. Mittagsgießen ist die schlechteste Option überhaupt — ein großer Teil verdunstet, bevor er ankommt, und die Tropfen auf den Blättern wirken wie kleine Brenngläser.
Wir empfehlen, seltener, aber gründlich zu wässern. Ein kurzer täglicher Sprühregen erzieht die Wurzeln dazu, flach unter der Oberfläche zu bleiben, wo sie bei der nächsten Hitzewelle als Erstes vertrocknen. Zwei kräftige Durchdringungen pro Woche, bei denen das Wasser zehn bis fünfzehn Zentimeter tief einsickert, treiben die Wurzeln nach unten. Für den Rasen heißt das grob 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter und Gang — das lässt sich mit einem einfachen Regenmesser oder einem leeren Joghurtbecher im Sprengerradius gut kontrollieren.
Der Fingertest schlägt jeden Bewässerungsplan
Stecken Sie den Finger zwei Fingerglieder tief in die Erde. Fühlt es sich dort unten noch feucht an, lassen Sie den Schlauch liegen, egal was der Kalender sagt. Beete unter Bäumen, sandige Böden und Töpfe auf der Südterrasse trocknen völlig unterschiedlich schnell aus — ein starrer Plan ignoriert genau das.
Regenwasser sammeln lohnt sich endlich richtig
Eine klassische Regentonne mit 200 bis 300 Litern kostet bei OBI oder Hornbach zwischen 30 und 70 Euro und ist an einem Nachmittag angeschlossen. Klingt nach wenig, aber ein durchschnittliches Garagendach von 30 Quadratmetern liefert bei einem einzigen ordentlichen Sommerregen von 15 Millimetern schon rund 450 Liter — mehr, als die Tonne fasst. Wer ernsthaft Wasser puffern will, kommt deshalb um einen unterirdischen Tank oder mehrere gekoppelte Behälter nicht herum.
Hier wird es regional knifflig. In Deutschland ist das Sammeln von Regenwasser zur Gartenbewässerung erlaubt und sogar erwünscht, aber sobald Sie eine Zisterne an Haus oder Grundstücksentwässerung anschließen, sollten Sie das beim örtlichen Wasserversorger melden — manche Kommunen berechnen Niederschlagswassergebühren anders, wenn versickert statt eingeleitet wird. In der Schweiz regeln das die Kantone teils strenger, und in Österreich kann je nach Bundesland eine Meldung beim Wasserrechtsverfahren nötig werden, wenn die Anlage ein bestimmtes Volumen überschreitet. Ein kurzer Anruf bei der Gemeinde spart später Ärger.
- Regentonne mit Deckel — ohne Deckel verwandelt sich die Tonne binnen Tagen in eine Mückenbrutstätte, und das Wasser kippt um.
- Ein feinmaschiges Gitter am Zulauf hält Laub und Insekten draußen.
- Ein Füllautomat oder Regensammler am Fallrohr (etwa von Marley oder Gardena, ab rund 20 Euro) leitet das Wasser bei voller Tonne automatisch zurück ins Rohr.
- Wer eine Pumpe anschließt, sollte auf eine Gartenpumpe mit Trockenlaufschutz achten — eine Hauswasserpumpe von Gardena oder Kärcher liegt bei 80 bis 150 Euro.
Mulchen: die unscheinbare Methode, die am meisten bringt
Eine fünf bis sieben Zentimeter dicke Mulchschicht aus Rasenschnitt, Stroh oder Rindenmulch senkt die Verdunstung an der Bodenoberfläche um bis zu siebzig Prozent. Das ist kein Marketingversprechen, sondern lässt sich im eigenen Beet beobachten: Unter der Mulchdecke bleibt die Erde tagelang dunkel und feucht, daneben ist sie nach einem Tag staubtrocken. Im Gemüsebeet hält Mulch zusätzlich das Unkraut nieder und füttert mit der Zeit das Bodenleben.
Ein Hinweis aus der Praxis: Frischen Rasenschnitt nur dünn und angetrocknet auflegen. Wer eine zehn Zentimeter dicke Schicht nassen Grasschnitts auftürmt, bekommt eine schmierige, faulende Matte, die nach Silage riecht und die Luft vom Boden abschneidet. Lieber in zwei, drei Lagen über die Woche verteilen.
Was im Topf anders läuft
Kübelpflanzen auf Balkon und Terrasse sind die ersten Opfer jeder Hitzewelle, weil das begrenzte Substrat keine Reserve hat. Dunkle Töpfe heizen sich in der Sonne auf über 40 Grad auf und kochen die Wurzeln regelrecht. Helle Übertöpfe, Tontöpfe mit Wasserreservoir oder schlicht ein zweiter Topf als Schattenspender helfen mehr als jede Spezialerde. Tongranulat oder Tonkugeln im Substrat speichern Feuchtigkeit — bei Geranien und Tomaten im Kasten macht das im Hochsommer den Unterschied zwischen täglichem Gießen und einem Rhythmus von zwei Tagen.
Bewässerungssysteme: für wen sich die Technik rechnet
Wer im Sommer regelmäßig verreist oder schlicht keine Lust auf die tägliche Gießrunde hat, fährt mit einem Tropfsystem gut. Ein Starter-Set von Gardena Micro-Drip oder das vergleichbare System von Kärcher kostet 40 bis 90 Euro und versorgt Beet und Kübel gezielt an der Wurzel statt großflächig über das Laub. In Kombination mit einem einfachen Bewässerungscomputer am Wasserhahn (ab etwa 25 Euro) läuft die Bewässerung morgens automatisch, lange bevor Sie wach sind.
Der Haken: Tropfschläuche verkalken in hartem Wasser, und die kleinen Düsen verstopfen, wenn Sie ungefiltertes Regenwasser durchschicken. Ein Vorfilter ist Pflicht, und einmal im Jahr sollten die Tropfer kontrolliert werden. Für einen kleinen Stadtgarten mit zehn Töpfen ist das Ganze schnell überdimensioniert — da reicht die morgendliche Runde mit der Kanne und spart das Geld.
Verzichten Sie auf die teuren „smarten" Bodenfeuchtesensoren mit App-Anbindung für 60 Euro und mehr, solange Sie nicht eine größere Anlage steuern. Der Finger im Beet liefert dieselbe Information umsonst und misst genau dort, wo Sie ihn hinstecken — nicht an einer einzigen Stelle, an der zufällig der Sensor steckt.
Welche Pflanzen den nächsten Dürresommer überstehen
Wenn ohnehin neu gepflanzt wird, lohnt der Blick auf trockenheitsverträgliche Arten. Lavendel, Salbei, Fetthenne, Katzenminze und Gräser wie Federgras kommen mit Wochen ohne Gießen aus, sobald sie eingewurzelt sind. Sie sehen außerdem an einem heißen Julitag deutlich vitaler aus als eine Hortensie, die mittags traurig die Blätter hängen lässt. Das heißt nicht, dass Sie den ganzen Garten umkrempeln müssen — aber die sonnenexponierte Südseite ist der falsche Platz für durstige Stauden.
Frisch gesetzte Gehölze und Stauden brauchen im ersten Sommer trotzdem konsequent Wasser, auch die genügsamen. Erst ab dem zweiten Jahr greift ihre Trockenheitstoleranz wirklich. Wer im Juni eine Lavendelhecke pflanzt und sie dann sich selbst überlässt, wird im August leere Stellen zählen.
Hartes Wasser, weiches Wasser und was die Pflanze davon hält
Ein Punkt, der in fast jeder Gießanleitung untergeht: Leitungswasser ist in weiten Teilen Deutschlands und der Schweiz ziemlich kalkhaltig. Für den Rasen und die meisten Beetpflanzen spielt das keine Rolle, aber Moorbeetpflanzen wie Rhododendron, Hortensien, Heidelbeeren und Azaleen vertragen den Kalk auf Dauer schlecht. Sie zeigen es durch hellgelbe Blätter mit grünen Adern, eine Eisenmangel-Chlorose, die nichts mit zu wenig Dünger zu tun hat, sondern mit einem Boden, der durch hartes Gießwasser langsam basisch wird.
Genau hier zahlt sich die Regentonne ein zweites Mal aus: Regenwasser ist von Natur aus weich und leicht sauer, also ideal für diese Pflanzen. Wer keine Tonne hat, kann das Gießwasser über Nacht stehen lassen, damit zumindest die Temperatur stimmt — eiskaltes Wasser direkt aus dem Hahn ist für hitzegestresste Wurzeln ein kleiner Schock. Den Kalkgehalt ändert das Stehenlassen allerdings nicht, das ist ein hartnäckiger Gartenmythos.
Eine Frage, die sich viele im Juni stellen
Darf ich bei Hitze überhaupt düngen? Die kurze Antwort: nur sparsam und nie auf trockenen Boden. Volldünger auf eine ausgedörrte Wurzel gegeben verbrennt sie regelrecht, weil die Salzkonzentration im Boden hochschießt. Wenn überhaupt, düngen Sie nach einem Regen oder einem gründlichen Wässern, und im Hochsommer lieber mit der halben empfohlenen Menge. Stickstoffbetonter Rasendünger im Juli treibt außerdem weiches Wachstum, das die nächste Trockenphase noch schlechter übersteht.
Der Urlaub und die Frage, wer gießt
Zwei Wochen weg, dreißig Töpfe auf der Terrasse — das ist die klassische Sommerfalle. Die Nachbarin, die „mal schaut", gießt erfahrungsgemäß entweder zu viel oder vergisst die halbe Reihe. Verlässlicher sind einfache Lösungen: Tonkegel mit umgedrehter Weinflasche geben über Tage gleichmäßig Wasser ab, ein Set kostet bei Amazon oder im Gartencenter rund 10 bis 15 Euro für vier Stück. Für größere Mengen lohnt der bereits erwähnte Bewässerungscomputer am Wasserhahn, der auch ohne Sie zuverlässig morgens anspringt.
Ein simpler Trick für die Übergangszeit funktioniert ebenfalls: Stellen Sie die Töpfe vor der Abreise dicht zusammen in den Halbschatten, idealerweise auf eine mit Wasser gefüllte Schale mit Tongranulat. Eng beieinander beschatten sich die Pflanzen gegenseitig und die Verdunstung sinkt spürbar. Eine Strelitzie in der prallen Mittagssonne dagegen ist nach zehn Tagen ohne Wasser kaum zu retten — die Pflanze hin, das Geld weg.