Hochbeet

Hochbeet im Hochsommer: Was Sie Ende Juni nachsäen, damit das Beet bis Oktober trägt

Der Salat ist abgeerntet, die Radieschen durch – und im Hochbeet klafft eine braune Lücke. Genau jetzt entscheidet sich, ob das Beet im September leer steht oder noch einmal voll trägt.

Hochbeet im Hochsommer: Was Sie Ende Juni nachsäen, damit das Beet bis Oktober trägt

Ende Juni sieht das Hochbeet bei vielen gleich aus: Der erste Salat ist geschossen, die Radieschen sind längst gegessen, und zwischen den Tomaten gähnt eine handbreite Lücke nackter Erde. Die meisten lassen sie genau so liegen – aus dem Gefühl heraus, das Gartenjahr sei jetzt eingerichtet und man warte nur noch auf die Ernte. Das ist der teuerste Denkfehler der Saison. Jede freie Fläche, die Ende Juni offenbleibt, ist eine Portion Gemüse, die Sie sich im Herbst aus dem Supermarkt holen müssen. Und das Hochbeet ist für eine zweite Runde fast besser gerüstet als das normale Gartenbeet, weil die lockere, durchwärmte Erde Samen in dieser Jahreszeit in Tagen keimen lässt statt in Wochen.

Warum die Hitze Ihr Verbündeter ist – und nicht Ihr Gegner

Es klingt widersinnig, ausgerechnet in der heißesten Phase des Jahres neu auszusäen. Aber die Bodenwärme, die Ihren Salat zum Schießen bringt, ist für Bohnen, Möhren und Mangold genau das, was sie zum Start brauchen. Buschbohnen keimen bei 20 bis 25 Grad in vier bis fünf Tagen – im April dauert das gut zwei Wochen, oft mit Lücken in der Reihe. Wer Ende Juni sät, spart sich also nicht nur Zeit, sondern bekommt meist auch eine gleichmäßigere Reihe. Der einzige Haken: Die obere Schicht im Hochbeet trocknet bei 30 Grad und Wind innerhalb eines Vormittags aus, und ein Samen, der einmal angequollen und dann wieder eingetrocknet ist, keimt nicht mehr. Das ist der Punkt, an dem die meisten Nachsaaten Ende Juni scheitern – nicht an der Sorte, sondern an drei zu trockenen Tagen direkt nach der Aussaat.

Die Lösung ist unspektakulär und kostet nichts. Säen Sie am späten Nachmittag, gießen Sie die Saatrille vor dem Ausstreuen einmal kräftig an, und legen Sie ein Brett, ein Stück Jutesack oder Vlies über die Reihe, bis die ersten Keimblätter erscheinen. Das hält die Feuchtigkeit zwei, drei Tage länger im Boden. Sobald es grün wird, kommt die Abdeckung weg – sonst vergeilen die Sämlinge im Dunkeln zu blassen Fäden. Ich gieße in dieser Phase lieber einmal täglich kurz die Oberfläche als alle drei Tage durchdringend; das widerspricht der üblichen Gießregel, gilt aber nur für die Keimphase, in der die Wurzeln noch in den obersten zwei Zentimetern sitzen.

Was jetzt noch geht – sortiert nach Geduld

Nicht alles, was im Frühjahr funktioniert, hat Ende Juni noch Zeit. Entscheidend ist die Zahl auf der Saatguttüte: die Tage bis zur Ernte. Rechnen Sie vom heutigen Tag aus und geben Sie zwei bis drei Wochen Puffer dazu, weil die Pflanzen im kürzer werdenden Herbstlicht langsamer wachsen. Für Ende Juni teile ich die Kandidaten gern in drei Gruppen ein:

  • Die Schnellen (Ernte ab Ende August): Radieschen, Pflücksalat, Asia-Salate wie Mizuna und Pak Choi, Rucola, Dill. Radieschen sind in vier Wochen erntereif – bei ihnen können Sie bis in den August hinein alle zwei Wochen nachlegen.
  • Die Verlässlichen (Ernte ab September): Buschbohnen, Mangold, rote Bete, Möhren der frühen Sorten, Kohlrabi. Buschbohnen sind hier mein Favorit, weil sie die Lücke nach dem Salat fast nahtlos füllen und der Boden durch die Knöllchenbakterien an den Wurzeln sogar Stickstoff zurückbekommt.
  • Die fürs nächste Jahr (Aussaat noch möglich, Ernte erst im Spätherbst oder überwinternd): Feldsalat, Winterportulak, Grünkohl als Jungpflanze. Feldsalat ist Geschmackssache beim Aussaattermin – Ende Juni ist eigentlich noch zu früh, viele warten bis August, aber wer das Beet sonst leer hätte, kann es probieren.

Spinat lasse ich Ende Juni bewusst weg, auch wenn er auf vielen Listen steht. Bei Tageslängen über 14 Stunden schießt er fast augenblicklich, ohne nennenswerte Blattmasse zu bilden. Der gehört in den August oder den frühen September, nicht in die Sommersonnenwende.

Die Erde ist nach der ersten Ernte müder, als sie aussieht

Ein Punkt, den die meisten Hochbeet-Ratgeber unter den Tisch fallen lassen: Der Salat, der gerade raus ist, hat dem Beet Nährstoffe entzogen, und die zweite Kultur startet nicht in dieselbe satte Erde wie die erste im Frühjahr. Das heißt nicht, dass Sie düngen müssen wie ein Profibetrieb. Aber eine Handvoll reifer Kompost pro laufendem Meter, flach eingeharkt, macht bei der Nachsaat einen sichtbaren Unterschied – besonders bei Starkzehrern wie Kohlrabi. Wer keinen eigenen Kompost hat, greift zu organischem Gemüsedünger; ein 2,5-Kilo-Eimer von Marken wie Compo oder Neudorff kostet im Baumarkt um die 8 bis 12 Euro und reicht für ein durchschnittliches Hochbeet die ganze Saison.

Verzichten Sie bei der Nachsaat auf schnell löslichen Mineraldünger, auch wenn er das schnellste Grün verspricht. Die jungen Pflanzen wachsen damit weich und werden zum gefundenen Fressen für Blattläuse, die Ende Juni ohnehin Hochsaison haben. Organisch gedüngte Sämlinge stehen langsamer, aber stabiler da. Und noch ein Hinweis, der über Erfolg oder Frust entscheidet: Säen Sie nicht in die ausgetrocknete Krume. Wässern Sie das ganze Beet am Vorabend gründlich, sodass die Feuchtigkeit zwanzig Zentimeter tief sitzt – dann ziehen die Wurzeln nach unten, statt an der heißen Oberfläche zu verbrennen.

Mischkultur statt Monoreihe – gerade jetzt

Im Hochbeet ist der Platz knapp, und Ende Juni stehen ja noch Tomaten, Gurken oder Paprika darin. Das ist kein Nachteil, sondern eine Chance: Der Schatten der großen Pflanzen schützt die frischen Sämlinge vor der Mittagssonne. Pflücksalat unter Tomaten, Radieschen am Fuß der Stangenbohnen, Mangold an der Nordseite des Beets – diese Kombinationen funktionieren im Hochsommer oft besser als eine sonnenexponierte Einzelreihe. Achten Sie nur darauf, dass die Neuzugänge nicht in den direkten Wurzelfilz der Tomaten geraten; ein Abstand von einer Handbreit reicht meist.

Was viele unterschätzen: Eine dünne Mulchschicht aus angetrocknetem Rasenschnitt zwischen den Reihen senkt die Bodentemperatur an heißen Tagen spürbar und spart Gießwasser. Tragen Sie sie aber wirklich dünn auf – fingerdick, nicht handhoch – sonst beginnt frischer Rasenschnitt zu faulen und zieht Schnecken an, die sich über jeden zarten Sämling hermachen. Genau das ist der Moment, in dem so manche Nachsaat über Nacht verschwindet.

Realistisch bleiben: Was Ende Juni nicht mehr aufgeht

Damit Sie sich keine Tüte umsonst kaufen: Tomaten, Paprika, Auberginen und Kürbis aus Samen sind für dieses Jahr durch – die brauchen Vorkultur und einen Start im März. Auch Knoblauch und die meisten Wintergemüse wie Rosenkohl gehören in einen anderen Monat. Wer jetzt noch Lust auf Fruchtgemüse hat, kauft vorgezogene Jungpflanzen; gute Gärtnereien führen Ende Juni oft Restposten zum halben Preis, die noch eine ordentliche Ernte bringen. Für alles andere gilt: Das Saatgut, das Sie vom Frühjahr übrig haben, ist Ende Juni kein verlorener Posten, sondern Ihre zweite Saison – Sie müssen es nur in die Erde bringen, bevor die Lücke veralgt und verkrustet.

Ein letzter Handgriff lohnt sich an jedem Abend dieser Woche: Gehen Sie mit der Gießkanne ums Beet und schauen Sie, wo Erde frei liegt. Jeder Quadratzentimeter braune Krume, der Ende Juni grün werden könnte, ist im September ein Salatkopf, eine Handvoll Bohnen oder ein Bund Mangold auf Ihrem Teller.