Kompost

Kompost im Hochsommer: Warum er austrocknet und wie Sie ihn wieder aktivieren

Wenn der Kompost im Juli zu Staub zerfällt statt zu Erde, liegt das fast immer an zu wenig Feuchtigkeit und zu viel Grünanteil. So bringen Sie den Rotteprozess in wenigen Tagen wieder in Gang.

Kompost im Hochsommer: Warum er austrocknet und wie Sie ihn wieder aktivieren

Ende Juni sah der Kompost in der Gartenecke noch aus, wie ein Kompost aussehen soll: dunkel, feucht, mit einem leichten Dampf am frühen Morgen, wenn die Nacht kühl geblieben war. Drei Wochen später steckt der Spaten nur noch in einem grauen, staubigen Haufen, der beim Umschichten eher an trockenes Stroh erinnert als an frische Erde. Genau dieses Bild kennen viele Gartenbesitzer aus den heißesten Wochen des Jahres, meist zwischen Anfang Juli und Mitte August, wenn Tagestemperaturen von 30 Grad und mehr keine Seltenheit sind. Der Rotteprozess, der im Frühling noch wie von selbst funktioniert hat, kommt bei anhaltender Trockenheit fast vollständig zum Erliegen. Mikroorganismen, Regenwürmer und Kompostwürmer brauchen Feuchtigkeit, um Zellulose und Eiweiße abzubauen, und ohne sie stellen sie ihre Arbeit schlicht ein. Das ist kein Zeichen für einen kaputten Kompost, sondern eine ganz normale Reaktion auf Hitzestress. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich der Haufen innerhalb weniger Tage wieder aktivieren.

Warum der Kompost bei Hitze regelrecht kippt

Ein gesunder Kompost lebt von einem fein austarierten Gleichgewicht aus Feuchtigkeit, Sauerstoff und Nahrung für Milliarden von Mikroorganismen. Steigen die Temperaturen über mehrere Wochen auf 28 bis 35 Grad, verdunstet Wasser aus den oberen 20 bis 30 Zentimetern des Haufens deutlich schneller, als es von unten nachziehen kann. Die Folge: Der Haufen trocknet von außen nach innen aus, während der Kern manchmal noch feucht bleibt, aber isoliert liegt und kaum noch durchmischt wird. Sobald der Feuchtigkeitsgehalt unter etwa 40 Prozent fällt, stellen die meisten Bakterienstämme ihre Aktivität ein, und die Temperatur im Inneren sinkt spürbar ab, obwohl draußen Hochsommer herrscht. Wer den Kompost dann einfach in Ruhe lässt, wartet oft wochenlang vergeblich auf sichtbaren Fortschritt. Verzichten Sie in dieser Phase auf die Annahme, ein Kompost brauche im Sommer weniger Pflege als im Frühjahr – das Gegenteil ist der Fall, gerade jetzt entscheidet sich, ob aus dem Material Humus oder einfach nur trockener Abfall wird.

Der Schwammtest: So prüfen Sie die Feuchtigkeit richtig

Bevor Sie literweise gießen, lohnt sich ein einfacher Test, den Gärtner seit Jahrzehnten nutzen: Nehmen Sie eine Handvoll Material aus der Mitte des Haufens und drücken Sie sie fest zusammen. Tritt kein Wasser aus und bröckelt die Probe auch nicht sofort auseinander, liegt der Feuchtigkeitsgehalt im Idealbereich von 50 bis 60 Prozent – vergleichbar mit einem gut ausgewrungenen Schwamm. Zerfällt die Probe dagegen sofort zu Staub, ist der Kompost zu trocken, und genau das ist im Juli und August der häufigste Befund. Gießen Sie in diesem Fall nicht einfach von oben mit dem Gartenschlauch, denn Wasser läuft an trockenem, verdichtetem Material meist seitlich ab, statt einzudringen. Besser: Schichten Sie den Haufen beim Gießen um und feuchten Sie jede einzelne Lage einzeln an, am besten mit abgestandenem Regenwasser aus der Regentonne statt mit kaltem Leitungswasser direkt aus dem Hahn.

Mehr Wasser hilft aber nicht in jedem Fall. Gießen Sie zu großzügig auf einen bereits dicht gepackten, kaum durchlüfteten Haufen, sammelt sich die Feuchtigkeit am Boden, sinkt die Sauerstoffzufuhr, und aus dem Rotteprozess wird schnell eine Fäulnis, die nach faulen Eiern statt nach Walderde riecht. Wenn Sie diesen Geruch bemerken, war es eindeutig zu viel Wasser auf zu wenig Struktur im Haufen.

Grün gegen Braun: Das richtige Verhältnis wiederherstellen

Zu viel Rasenschnitt allein rettet keinen ausgetrockneten Kompost.

Wie schnell und wie warm ein Kompost arbeitet, hängt maßgeblich vom Verhältnis zwischen stickstoffreichem, grünem Material und kohlenstoffreichem, braunem Material ab. Fachleute sprechen von einem C:N-Verhältnis, das idealerweise zwischen 25:1 und 30:1 liegen sollte. Im Hochsommer kippt dieses Verhältnis in vielen Gärten in eine bestimmte Richtung, weil massenhaft frischer Rasenschnitt anfällt, der fast ausschließlich aus Grünanteil besteht und im Haufen schnell zu einer schleimigen, luftundurchlässigen Schicht zusammensackt.

Die bessere Wahl ist eine bewusste Mischung: Kombinieren Sie frischen Grünschnitt konsequent mit braunem Material wie trockenem Laub vom Vorjahr, zerkleinerten Ästen, Eierkartons oder unbedrucktem Zeitungspapier. Als grobe Faustregel gilt eine Mischung im Verhältnis von etwa zwei Teilen Braunanteil zu einem Teil Grünanteil, gemessen nach Volumen und nicht nach Gewicht. Wer im Garten kaum trockenes Laub zur Hand hat, kann mit zerknülltem Karton oder Stroh aus dem Baumarkt nachhelfen, das für wenige Euro je Ballen erhältlich ist. Produkte wie der Neudorff Azet Kompostbeschleuniger, der für rund 15 EUR je Kilogramm erhältlich ist, liefern zusätzlich gezielt die Mikroorganismenstämme, die bei Hitzestress oft dezimiert wurden – ein sinnvoller Kickstart, aber kein Ersatz für das richtige Grün-Braun-Verhältnis.

Umsetzen, auflockern, Struktur schaffen

Ein ausgetrockneter Kompost verdichtet sich fast immer, weil die feinen Materialschichten ohne Feuchtigkeit zusammensacken und die Luftkanäle zwischen den Partikeln verschwinden. Ohne Sauerstoff arbeiten die aeroben Bakterien, die für eine schnelle, geruchsarme Rotte sorgen, nicht mehr, und ihr Platz wird von anaeroben Prozessen übernommen, die deutlich langsamer sind und unangenehm riechen können. Setzen Sie den Haufen deshalb komplett um, am besten mit einer Grabegabel statt einem Spaten, weil die Zinken das Material auflockern statt es weiter zu verdichten. Grobes Strukturmaterial wie kleine Zweige oder zerkleinerte Äste, die Sie vorher mit einem Häcksler wie dem Bosch AXT 25 TC für rund 220 EUR oder einer günstigeren Alternative um die 130 EUR zerkleinert haben, schaffen dauerhafte Luftkanäle im Inneren des Haufens. Wer keinen eigenen Häcksler besitzt, findet an vielen Wertstoffhöfen einen Häckseldienst oder kann sich Geräte tageweise leihen, was sich schon ab dem zweiten oder dritten Einsatz im Jahr finanziell lohnt.

Nach mehrwöchigem Stillstand reicht ein einziges Umsetzen in den seltensten Fällen aus. Rechnen Sie im Hochsommer mit zwei bis drei Umsetzvorgängen im Abstand von jeweils etwa zehn Tagen, kombiniert mit dem Nachfeuchten aus dem vorherigen Abschnitt, bis sich im Kern wieder spürbare Wärme entwickelt. Ein Kompostthermometer, wie es Gardena oder Neudorff für 15 bis 25 EUR anbieten, zeigt zuverlässiger als das bloße Handauflegen, ob der Prozess tatsächlich wieder in Gang gekommen ist – Temperaturen von 40 bis 60 Grad im Kern gelten als gutes Zeichen für aktive Rotte.

Der richtige Standort für den Sommer

Ein Kompost, der den ganzen Tag in praller Sonne steht, verliert im Juli und August innerhalb weniger Stunden erneut die Feuchtigkeit, die Sie gerade mühsam zurückgebracht haben. Ideal ist ein halbschattiger Platz unter einem lockeren Blätterdach, etwa unter einem Apfelbaum oder entlang einer Hecke, wo die Mittagssonne abgemildert wird, ohne dass der Standort dauerhaft feucht und dunkel bleibt. Steht Ihr Komposter bereits an einem vollsonnigen Platz und lässt sich nicht verlegen, hilft eine einfache Abdeckung aus grobem Sackleinen, alten Jutesäcken oder einer speziellen Kompostabdeckhaube, wie sie Wolf-Garten für rund 20 bis 30 EUR anbietet. Diese Abdeckungen lassen Regenwasser und Luft durch, bremsen aber die Verdunstung spürbar – ein Effekt, den man unterschätzt, bis man ihn einmal im direkten Vergleich zwischen abgedecktem und offenem Haufen gesehen hat.

Was im Hochsommer nicht in den Kompost gehört

Gerade jetzt, wenn ohnehin schon viel Grünschnitt anfällt, landet manches im Komposthaufen, das dort eher schadet als nützt. Ein paar Grundregeln aus der Praxis, die längst nicht jede kommunale Satzung identisch formuliert, aber die meisten erfahrenen Gärtner beherzigen, unter anderem diese vier:

  • Kranke oder von Mehltau befallene Pflanzenteile sollten über die Biotonne entsorgt werden, denn die Temperaturen im Hausgartenkompost reichen selten aus, um Pilzsporen zuverlässig abzutöten.
  • Samentragende Unkräuter wie Giersch, Quecke oder reife Löwenzahnköpfe überleben die Kompostierung oft und verteilen sich anschließend über den fertigen Humus im ganzen Beet.
  • Zum Häcksler oder zur kommunalen Grünschnittsammlung gehören große, verholzte Äste – zum Verbrennen auf dem offenen Gartenabfallhaufen dagegen nicht, das ist in den meisten deutschen Kommunen ganzjährig durch die örtliche Abfallsatzung untersagt.
  • Fleisch, Milch und Fischreste ziehen bei Hitze binnen Stunden Wespen und manchmal auch Ratten an.

Für Mengen, die der eigene Kompost ohnehin nicht mehr fasst, bietet praktisch jede Gemeinde eine reguläre Biotonne oder eine saisonale Grünschnittabfuhr an, deren genaue Termine sich meist auf der Website des örtlichen Entsorgungsbetriebs finden.

Werkzeug, das die Arbeit tatsächlich erleichtert

Nicht jede Anschaffung lohnt sich für einen einzelnen Komposthaufen im Reihenhausgarten, aber ein paar Investitionen zahlen sich über mehrere Jahre spürbar aus. Ein Thermokomposter mit geschlossenen Wänden, etwa das 300-Liter-Modell von Gardena für rund 90 EUR, hält die Feuchtigkeit deutlich besser als ein offener Gitterkomposter und eignet sich damit besonders für sonnige, windexponierte Standorte. Für größere Gärten mit viel Rasen- und Heckenschnitt amortisiert sich ein Häcksler meist schneller, als man denkt, weil grob zerkleinertes Material nicht nur schneller verrottet, sondern auch spürbar weniger Volumen einnimmt. Wir empfehlen für den durchschnittlichen Hausgarten ein handliches Modell mit Walzenschnitt statt Messerschnitt, weil Walzenhäcksler auch grünes, feuchtes Material ohne Verstopfen verarbeiten – ein Detail, das im Katalog selten hervorgehoben wird, in der Praxis aber über Frust oder Freude am Gerät entscheidet.

Am Ende ist ein ausgetrockneter Kompost im Hochsommer selten ein Grund, von vorn zu beginnen. Meist genügen ein gezielter Wasserstoß in mehreren Schichten, frisches braunes Material gegen den Grünüberschuss und zwei bis drei Umsetzvorgänge über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen, bis der Haufen wieder spürbar warm wird und der vertraute erdige Geruch zurückkehrt.