Wer im Mai zwei kräftige Tomatenpflanzen ins Beet setzt und sie sich selbst überlässt, erntet im August einen undurchdringlichen Dschungel mit vielen grünen, aber wenigen reifen Früchten. Das Ausgeizen, also das Entfernen der jungen Triebe in den Blattachseln, lenkt die Kraft der Pflanze dorthin, wo sie hingehört: in die Früchte und nicht in immer neues Blattwerk. Dieser eine Handgriff entscheidet bei Stabtomaten über eine magere oder eine üppige Saison, und er kostet Sie pro Pflanze keine zwei Minuten in der Woche.
Was ein Geiztrieb ist und welche Pflanzen ihn brauchen
Geiztriebe wachsen in der Achsel zwischen dem Haupttrieb und einem Blatt, schräg nach oben, und entwickeln sich unbehandelt zu vollwertigen Seitentrieben mit eigenen Blüten. Bei Stabtomaten, den hochwachsenden Sorten, die Sie an einem Stab oder einer Schnur ziehen, sollten Sie diese Triebe konsequent ausbrechen, solange sie noch klein sind. Buschtomaten dagegen, also die niedrigen Sorten für Kübel und Ampeln, geizen Sie ausdrücklich nicht aus, weil sie ihren Ertrag gerade über die vielen Seitentriebe bilden. Verwechseln Sie die beiden, ruinieren Sie im einen Fall die Belüftung, im anderen die halbe Ernte.
Brechen Sie die Geiztriebe am besten morgens bei trockenem Wetter mit den Fingern aus, wenn sie etwa fingerlang sind, denn die kleine Wunde trocknet bei Sonne schnell ab und bietet Pilzen kaum Angriffsfläche. Eine Schere brauchen Sie nur für verholzte Triebe, die Sie übersehen haben.
Untere Blätter entfernen und richtig gießen
Verzichten Sie ab dem Hochsommer auf die unteren Blätter bis zur ersten Fruchtampel. Sie tragen kaum noch zur Pflanze bei, liegen aber dem Boden so nah, dass Spritzwasser die Sporen der Kraut- und Braunfäule direkt nach oben befördert. Eine luftige, unten freigeräumte Pflanze trocknet nach einem Regen deutlich schneller ab.
Beim Gießen liegt der häufigste Fehler im Rhythmus, nicht in der Menge. Tomaten reagieren auf einen Wechsel aus Trockenheit und plötzlichem Schwall mit der gefürchteten Blütenendfäule, jenem braunen, ledrigen Fleck am unteren Ende der Frucht, der nichts mit einem Pilz, sondern mit gestörter Kalkaufnahme zu tun hat. Gießen Sie deshalb lieber gleichmäßig und durchdringend an die Wurzel, etwa alle zwei bis drei Tage je nach Hitze, statt täglich ein bisschen über die Blätter. Eine Mulchschicht aus angetrocknetem Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden und federt genau diese Schwankungen ab.
Düngen ohne Übertreibung
Tomaten sind Starkzehrer, doch zu viel Stickstoff treibt nur Blattmasse und macht die Pflanze anfällig. Ein organischer Tomatendünger wie der von Neudorff oder Compo, alle zwei bis drei Wochen ab der ersten Fruchtbildung gegeben, deckt den Bedarf zuverlässig; für 8 bis 12 EUR kommen Sie damit durch eine ganze Saison mit mehreren Pflanzen. Wer einen reifen Komposthaufen hat, mischt im Frühjahr ohnehin zwei Hände unter das Pflanzloch.
Und was ist mit dem Köpfen der Pflanze im Spätsommer? Kappen Sie die Spitze etwa Mitte August oberhalb der letzten brauchbaren Ampel, dann steckt die Pflanze ihre verbleibende Kraft in die vorhandenen Früchte statt in neue Blüten, die bis zum ersten Frost ohnehin nicht mehr ausreifen.