Die ersten Frühkartoffeln sind aus der Erde, die Buschbohnen abgeerntet, und zwischen den leeren Stellen im Hochbeet wächst bislang nur Beikraut. Wer Anfang August durch seinen Garten oder über seine Terrasse mit Kübeln geht, sieht oft mehr brachliegende Fläche als tatsächliche Ernte – dabei wäre eigentlich noch reichlich Zeit für eine zweite Runde. Viele Hobbygärtner räumen ihre Beete jetzt einfach leer und warten bis zum Frühjahr, weil sie glauben, die Saison sei nach der Tomaten- und Zucchiniernte im Grunde vorbei.
Bis zum ersten stärkeren Frost bleiben den meisten Regionen in Deutschland noch acht bis zwölf Wochen, und das reicht für schnell wachsendes Blattgemüse locker aus.
Warum sich die zweite Aussaat im August lohnt
Der Boden ist nach Wochen der Sommerhitze auf Betriebstemperatur, und genau das beschleunigt die Keimung erheblich: Radieschen, die im Frühjahr bei zehn Grad Bodentemperatur zwei Wochen bis zum Auflaufen brauchen, zeigen sich im August oft schon nach vier bis fünf Tagen. Gleichzeitig werden die Tage kürzer, was für viele Blattgemüse ein Vorteil ist, weil sie erst bei sinkender Tageslänge in die Blattbildung statt in die Blüte investieren. Spinat zum Beispiel schießt bei Aussaat im Juni fast immer, weil lange Tage und Hitze ihn zum Blühen anregen; im August, wenn die Tageslänge unter vierzehn Stunden fällt, bleibt er dagegen wochenlang erntereif. Auch Feldsalat, eigentlich eine Winterkultur, keimt bei sommerlichen Bodentemperaturen über zwanzig Grad zwar etwas zögerlich, wächst anschließend aber zügig und übersteht leichten Frost völlig ohne Schutz. Wer jetzt sät, umgeht außerdem ein typisches Problem des Frühjahrs: Schneckenfraß an jungen Keimlingen ist im August deutlich seltener, weil die Population nach der ersten Trockenperiode im Juli spürbar zurückgeht. Das macht den Spätsommer, entgegen der landläufigen Meinung, zu einem der dankbarsten Aussaattermine im ganzen Gartenjahr.
Diese Gemüsesorten passen jetzt ins Beet
Nicht jede Kultur eignet sich für die kurze verbleibende Vegetationszeit. Die bessere Wahl sind ausnahmslos schnell wachsende Blattgemüse und Wurzelgemüse mit kurzer Kulturdauer:
- Feldsalat (Rapunzel) – Aussaat bis Ende September möglich, winterhart bis etwa minus fünfzehn Grad unter einem Vlies
- Spinat, zum Beispiel die Sorte Matador von Kiepenkerl – erntereif in 30 bis 40 Tagen
- Radieschen – die schnellste Option im ganzen Sortiment, oft essbar nach nur drei Wochen
- Rucola und asiatische Blattsalate wie Mizuna oder Pak Choi, die selbst bei kühlen Nächten unter zehn Grad noch spürbar zulegen
- Herbstrettich, etwa die Sorte 'Runder Schwarzer Winter', für alle, die bis in den November hinein ernten wollen – eine Kultur, die im Hausgarten deutlich seltener zu sehen ist, als sie es verdient hätte
Eine Tüte Feldsalat- oder Spinatsamen von Kiepenkerl oder Bingenheimer Saatgut kostet im Gartencenter zwischen 2,50 und 3,50 Euro und reicht meist für mehrere Beetreihen. Wer speziell asiatisches Blattgemüse sucht, wird beim Spezialversender Culinaris fündig, der Sorten wie Tatsoi oder Senfkohl führt, die im normalen Baumarktsortiment kaum auftauchen. Verzichten Sie in dieser Phase dagegen konsequent auf langsam wachsende Sorten wie Grünkohl oder Rosenkohl aus Samen – dafür ist es fast überall im Land zu spät, hier lohnt sich nur noch der Kauf von Jungpflanzen aus der Gärtnerei.
Was im Kübel auf dem Balkon funktioniert
Rucola, Mizuna und Radieschen wachsen auch in Kübeln ab 15 Zentimetern Tiefe zuverlässig, solange ein Wasserabzugsloch vorhanden ist und keine Staunässe entsteht. Feldsalat dagegen bildet in flachen Balkonkästen oft nur kümmerliche Rosetten, weil seine Wurzeln mehr Raum brauchen, als die meisten Standardkästen bieten – hier lohnt sich ein tieferes Gefäß oder gleich das Beet.
Boden vorbereiten nach der Sommerernte
Nach Bohnen, Frühkartoffeln oder abgeernteten Salatköpfen sollte die Fläche nicht umgegraben, sondern nur oberflächlich mit dem Grubber gelockert werden – tiefes Wenden zerstört gerade jetzt, bei hohen Bodentemperaturen, unnötig viel Bodenleben. Alte Wurzelreste entfernen Sie am besten von Hand, bevor Sie eine drei bis vier Zentimeter dicke Schicht reifen Kompost einarbeiten. Wer keinen eigenen Kompost hat, greift zu organischem Volldünger wie Neudorff Azet oder Hornspänen; mineralische Blaudünger sind für die kurze Kulturdauer von Radieschen und Feldsalat dagegen meist überdosiert und unnötig. Bei besonders ausgelaugten Beeten, etwa nach Starkzehrern wie Tomaten oder Kürbis, empfiehlt sich zusätzlich eine Handvoll Gesteinsmehl pro Quadratmeter, um die Mikroorganismen im Boden wieder zu aktivieren.
Ein Detail wird dabei häufig übersehen: Rucola, Mizuna und Pak Choi gehören botanisch zu den Kreuzblütlern, genau wie Kohl, Radieschen und Rettich. Stand im selben Beet erst kürzlich Kohlrabi, Brokkoli oder Blumenkohl, sollten Sie besser auf Feldsalat oder Spinat ausweichen, statt direkt wieder eine Kreuzblütler-Kultur nachzusäen. Der Grund ist die Kohlhernie, ein bodenbürtiger Pilz, der sich bei enger Fruchtfolge anreichert und teils über Jahre im Boden überdauert – ein Wechsel der Pflanzenfamilie kostet nichts und schützt zuverlässig davor.
Gießen und Pflege bei sommerlicher Hitze
Die größte Hürde bei der Augustaussaat ist nicht die Kälte, sondern die Hitze: Bei Bodentemperaturen über 25 Grad trocknet die oberste Erdschicht binnen weniger Stunden aus, genau dort, wo die Samen liegen. Deshalb sollten Sie nach der Aussaat täglich, bei anhaltender Hitze sogar morgens und abends, mit der Brause gießen, bis die ersten Keimblätter sichtbar sind – danach reicht es, jeden zweiten Tag durchdringend zu wässern, statt oberflächlich zu sprengen. Eine dünne Schicht aus angetrocknetem Rasenschnitt oder feinem Stroh zwischen den Reihen hält die Feuchtigkeit deutlich länger im Boden und verhindert, dass die Erde nach dem Gießen verkrustet. Wer kann, sät am späten Nachmittag oder Abend, wenn die Mittagshitze vorbei ist; wer tagsüber gießen muss, sollte das unbedingt vor neun Uhr morgens oder nach achtzehn Uhr tun, weil Wassertropfen auf Blättern in der prallen Sonne wie kleine Brenngläser wirken können. Für Feldsalat und Spinat ist ein wöchentlicher Wasserbedarf von etwa 15 bis 20 Litern pro Quadratmeter realistisch, sobald sich die Pflanzen etabliert haben – deutlich weniger, als Tomaten oder Gurken im selben Beet brauchen würden. Ein Kübel auf dem Balkon trocknet dagegen an heißen Tagen selbst mit dieser Routine noch schneller aus, weshalb sich hier eine Bewässerung am frühen Morgen und ein schattierter Standort ab der Mittagszeit auszahlen.
Das funktioniert allerdings nicht auf jedem Boden gleich gut. Auf schwerem Lehmboden, der nach jedem Regen zu einer harten Kruste verbackt, tun sich Feldsalat und Radieschen deutlich schwerer als auf lockerer, sandiger Erde – hier hilft es, vor der Aussaat eine dünne Schicht Sand oder feinen, reifen Kompost oberflächlich einzuarbeiten, damit die zarten Keimlinge überhaupt durchstoßen können.
Bis wann lohnt sich die Aussaat noch?
Die Faustregel lautet: Von der Aussaat bis zur ersten Ernte sollten mindestens sechs bis acht Wochen bleiben, bevor der erste stärkere Frost erwartet wird. In milden Weinbauregionen wie der Pfalz oder dem Rheingau ist eine Aussaat von Feldsalat und Spinat noch bis Ende September problemlos möglich, weil der erste nennenswerte Frost dort oft erst Mitte November eintrifft. Im Alpenvorland oder im Erzgebirge dagegen sollte spätestens Anfang September der letzte Satz in die Erde – wer hier länger wartet, riskiert, dass die Pflanzen nicht mehr groß genug werden, um den Winter zu überstehen. Radieschen sind die Ausnahme von dieser Regel: Sie wachsen so schnell, dass eine Aussaat bis Mitte September fast überall im Land noch eine Ernte garantiert.
Vlies und Folientunnel verlängern die Erntezeit
Gegen Erdflöhe, die vor allem Rucola und asiatische Senfkohlarten im Spätsommer perforieren, hilft ein feinmaschiges Kulturschutznetz direkt nach der Aussaat zuverlässiger als jedes Spritzmittel – einfach über Bügel spannen und an den Rändern beschweren, fertig. Eine Rolle Gartenvlies von Windhager oder Gardena kostet im Baumarkt zwischen 8 und 15 Euro und deckt bei 1,60 Meter Breite gleich mehrere Beetreihen ab. Direkt auf die Pflanzen gelegt, hebt es die Temperatur am Boden um zwei bis drei Grad an und schützt Feldsalat und Spinat zuverlässig bis etwa minus fünf Grad Lufttemperatur. Für Frostnächte darunter braucht es einen kleinen Folientunnel mit Drahtbügeln, wie ihn Gärtnereien für Salate im Winteranbau verwenden – aufwendiger als ein einfaches Vlies, aber er verlängert die Erntezeit bis in den Januar hinein, wenn der Winter mild bleibt. Wichtig ist dabei nur, an sonnigen Wintertagen kurz zu lüften, weil sich unter Folie sonst schnell Hitze staut, selbst wenn draußen Frost herrscht.
Was Sie im Herbst tatsächlich ernten
Wie schnell es tatsächlich losgeht, hängt von Witterung und Bodenqualität ab, verschiebt sich in der Praxis aber selten um mehr als ein bis zwei Wochen. Die realistische Erntereihenfolge sieht bei einer Aussaat Anfang August ungefähr so aus:
- Radieschen – erste Ernte ab Ende August
- Rucola und Mizuna – ab Anfang September, danach laufend nachschneiden
- Spinat – ab Mitte September, bei Blattgemüse zum wiederholten Beernten geeignet
- Feldsalat – ab Oktober bis in den Winter hinein, je nach Witterung sogar unter Schnee erntbar
Wer Ende September zum ersten Mal wieder frischen Salat aus dem eigenen Beet schneidet, während auf dem Wochenmarkt längst nur noch Kohl und Wurzelgemüse liegen, wird die Augustaussaat im nächsten Jahr nicht mehr vergessen.