Ein gekaufter Kranz aus dem Baumarkt hält oft kaum bis zum dritten Advent, weil die Zweige schon beim Verkauf zu trocken waren. Wer selbst bindet, bestimmt die Frische, die Dichte und vor allem die Sicherheit selbst – und das ist einfacher, als die meisten denken. Sie brauchen dafür keinen Kurs und keine teure Ausrüstung, sondern eine ruhige Stunde am Küchentisch, etwas frisches Grün und die Geduld, in eine Richtung zu wickeln.
Material: womit der Kranz wirklich gelingt
Die Basis ist ein Strohrohling, den Sie bei Dehner oder im Gartencenter für etwa 4,00 bis 8,00 EUR bekommen, je nach Durchmesser. Strohrohlinge halten das Grün besser als die geschlossenen Styroporringe, weil der Bindedraht tief im Material greift und nicht abrutscht. Als Zweige eignet sich Nobilis-Tanne am besten, denn sie nadelt deutlich langsamer als gewöhnliche Fichte und behält ihre bläulich-grüne Farbe über Wochen. Rechnen Sie für einen Kranz von 30 Zentimetern Durchmesser mit zwei bis drei kräftigen Tannenbüscheln vom Wochenmarkt.
Zum Befestigen nehmen Sie grünen Bindedraht, keinen Blumendraht und schon gar keine Schnur, weil der Draht sich straff anziehen lässt und das Grün dauerhaft hält. Für die Deko sammeln Sie, was die Jahreszeit hergibt: Zapfen von Kiefer und Lärche, getrocknete Hagebutten, ein paar Zimtstangen, vielleicht Schleifenband aus Jute. Verzichten Sie auf Plastikbeeren und Sprühschnee – beides wirkt billig und macht das Grün am Ende zu Sondermüll.
So binden Sie Schritt für Schritt
Schneiden Sie die Tanne in kleine Büschel von etwa zehn Zentimetern Länge. Den Bindedraht wickeln Sie zunächst zweimal fest um den Rohling und knoten ihn nicht ab – Sie arbeiten mit dem durchlaufenden Draht von der Rolle. Legen Sie das erste Büschel flach auf den Ring und umwickeln Sie die Stiele dreimal straff. Das nächste Büschel legen Sie so, dass es die Bindestelle des vorherigen verdeckt, und wickeln wieder. Immer in dieselbe Richtung, immer leicht überlappend.
Wer das erste Mal bindet, macht den Kranz oft zu dünn. Greifen Sie ruhig großzügiger zu, denn frisches Grün sackt nach einem Tag etwas zusammen, und ein voller Kranz verzeiht das. Am Ende führen Sie den Draht unter die erste Bindestelle und verzwirbeln ihn fest auf der Rückseite. Die Zapfen und Beeren stecken oder kleben Sie erst zum Schluss, wenn die grüne Form steht.
Auch der Türkranz nach demselben Prinzip
Ein Türkranz entsteht genauso, nur flacher gebunden und ohne Kerzen. Hier dürfen Sie ruhig wilder mischen – ein paar Eukalyptuszweige, Efeu oder getrocknete Gräser geben Bewegung. Eine kräftige Schleife an der Unterseite, eine stabile Drahtöse oben zum Aufhängen, fertig.
Brandsicherheit: der Punkt, an dem es ernst wird
Jedes Jahr brennen Wohnungen, weil eine Kerze auf trockenem Tannengrün heruntergebrannt ist. Stellen Sie die Kerzen daher in standfeste Kerzenhalter mit Dorn und Tropfschale, niemals direkt ins Grün. Lassen Sie zwischen Flamme und Zweigen mindestens fünf Zentimeter Abstand, und tauschen Sie die Kerzen aus, lange bevor sie bis zum Halter herunterbrennen. Stellen Sie den Kranz auf eine feuerfeste Unterlage, keinesfalls auf eine Tischdecke aus Synthetik.
Die wichtigste Regel klingt banal und wird trotzdem gebrochen: Eine brennende Kerze bleibt nie unbeaufsichtigt, auch nicht für die zwei Minuten in der Küche. Besprühen Sie das Grün außerdem alle paar Tage mit etwas Wasser, denn ein leicht feuchter Kranz fängt schlechter Feuer und nadelt weniger. Ab dem Moment, in dem die Nadeln rieseln, sobald Sie den Kranz anheben, ist er reif für den Biomüll – egal, welcher Advent gerade ist.