Anfang Oktober stehen die Dahlien vielerorts noch in voller Blüte, als wüssten sie nichts von dem, was ihnen bevorsteht. Dann kommt die erste klare Nacht mit Frost, und am nächsten Morgen hängt das Laub schwarz und matschig an den Stängeln, während die Blüten vom Vortag braun geworden sind. Das sieht nach Totalschaden aus, doch die Knollen im Boden haben einen leichten Frost meist unbeschadet überstanden: Nach Angaben der Gartenakademie Rheinland-Pfalz dürfen Dahlien bis nach dem ersten leichten Frost draußen bleiben. Genau das ist die Chance und zugleich die Falle, denn ab diesem Morgen läuft die Zeit, bis der Frost tiefer in die Erde zieht. Dahlien stammen aus Mittel- und Südamerika und sind nicht winterhart, wie der NDR in seinem Gartenratgeber festhält. Ein festes Datum im Kalender hilft Ihnen dabei wenig, ein Blick auf den Wetterbericht und ein paar Vorbereitungen in diesen Tagen dafür umso mehr.
Warum die Knollen nicht im Beet bleiben sollten
Manche Gärtner decken das Beet in milden Lagen mit Mulch oder Reisig ab und haben damit gelegentlich Glück. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht, denn es hängt davon ab, wie tief der Frost in den Boden zieht und wie nass die Erde im Januar ist, und beides lässt sich im Oktober nicht vorhersagen. Das Portal Mein schöner Garten betont, dass ein paar leichte Frostnächte den Pflanzen nicht schaden, der Boden aber nicht bis auf Knollentiefe durchfrieren darf, und ob er das tut, weiß im Oktober niemand. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz zählt Dahlien, Gladiolen, Knollenbegonien und indisches Blumenrohr (Canna) zu den Knollengewächsen, die je nach Empfindlichkeit vor dem ersten Frost oder spätestens direkt danach ins Winterquartier gehören. Wir empfehlen deshalb das Ausgraben, weil es die einzige Methode ist, bei der Sie jede Knolle in die Hand nehmen und auf Fäulnis prüfen können. Und eine Lieblingssorte, die im Beet erfroren ist, lässt sich nicht immer nachkaufen.
Was Sie jetzt vorbereiten, solange die Dahlien noch blühen
Der wichtigste Handgriff dieser Woche kostet nichts: Hängen Sie an jede Pflanze ein Etikett mit dem Sortennamen oder wenigstens der Blütenfarbe, solange das Laub noch grün ist. Der NDR rät, Etiketten anzubringen, bevor die Dahlien verwelken, und zusätzlich ein Foto vom Beet zu machen, damit sich die Farbverteilung im nächsten Jahr nachbauen lässt. Wer darauf verzichtet, steht im April vor einer Kiste voller brauner Klumpen und kann nur raten, welcher davon die tiefrote Sorte war, die im August so schön neben dem Sonnenhut stand.
Beim Gießen hilft jetzt Zurückhaltung. Bei Dahlien im Kübel empfiehlt der NDR, schon ab September immer seltener zu gießen, damit die Erde zum Einlagern sehr trocken ist und die Knollen nicht faulen. Gladiolen bekommen nach Angaben von Floragard ab Oktober gar kein Wasser mehr, weil die Knollen dann besser ausreifen.
Außerdem lohnt es sich, das Material vor dem ersten Frost zusammenzulegen, denn am Morgen danach haben Sie dafür keine Geduld mehr:
- Eine Grabegabel, denn beim Graben mit dem Spaten werden die Knollen laut Gartenakademie Rheinland-Pfalz zu leicht verletzt.
- Flache Holzkisten oder stabile Kartons, die Sie mit Zeitungspapier auslegen.
- Trockener Sand, etwa Kiessand aus dem Baumarkt, als Füllung zwischen den Lagen.
- Ein Rest Holzkohlepulver für Schnittstellen; der NDR nennt als Quelle die Krümel vom Boden einer Grillkohletüte.
- Ein Thermometer für den Lagerraum, am besten mit Minimum-Anzeige, und das nicht erst im November.
Hängen Sie das Thermometer eine Woche lang in den Raum, den Sie im Auge haben. Für Dahlien nennen die Quellen übereinstimmend einen kühlen, dunklen und frostfreien Ort; die Temperaturangaben reichen von etwa fünf Grad (NDR, Gartenakademie Rheinland-Pfalz, Mein schöner Garten) bis zu fünf bis zehn Grad (MDR). Viel wärmer sollte es nicht sein, weil die Knollen sonst schon im Winterquartier austreiben. Ein Heizungskeller ist dafür oft zu warm; der NDR nennt als Winterquartier einen ungeheizten Keller oder eine frostfreie Garage mit Temperaturen um fünf Grad. In der Garage ist das Minimum-Thermometer Pflicht, weil eine einzige Frostnacht dort die ganze Kiste ruinieren kann.
Der richtige Moment zum Ausgraben
Ein festes Datum können wir Ihnen dafür nicht nennen.
Der MDR hält Ende Oktober für den üblichen Zeitpunkt, in manchen Jahren auch erst Anfang November, und die Gartenakademie Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass das Winterquartier in manchen Gegenden schon Ende Oktober fällig wird, während es anderswo noch bis in den Dezember frostfrei bleibt. Das verlässlichere Signal ist die Pflanze selbst: Sobald das Laub nach dem ersten Frost braun oder matschig herunterhängt, ist es so weit. Warten Sie dann einen trockenen Tag ab, denn nach Angaben von Mein schöner Garten löst sich trockene Erde leichter von den Knollen. Wer bei Dauerregen gräbt, hat schwere, nasse Klumpen in der Hand, und nasse Knollen gehören nicht ins Lager.
Schritt für Schritt: ausgraben, abtrocknen, aussortieren
- Stängel auf 10 bis 15 Zentimeter über dem Boden kürzen (der NDR nennt zehn, der MDR zehn bis fünfzehn).
- Etikett anbringen, bevor Sie irgendetwas anderes tun, denn nach dem Ausgraben sieht jeder Wurzelstock aus wie der andere.
- Die Erde rundum vorsichtig lockern und den Wurzelstock mit der Grabegabel anheben, ohne in die Knollen zu stechen.
- Die Pflanze umdrehen, damit das Wasser aus den hohlen Stängeln ablaufen kann.
- Locker anhaftende Erde abschütteln und die Knollen an einem trockenen, frostfreien Ort liegen lassen, je nach Quelle wenige Tage (MDR) bis etwa eine Woche (NDR).
Ob Sie die Erde ganz entfernen oder zum Teil dranlassen, sehen die Quellen unterschiedlich: Der MDR lässt fest sitzende Erde ausdrücklich an den Knollen, Mein schöner Garten verlangt dagegen, größere Erdbrocken zu entfernen. Beides funktioniert, solange Sie nicht schrubben. Wir halten es so: grob abschütteln, trocknen lassen, nicht mit dem Gartenschlauch abspritzen. Dahlienknollen neigen nach Angaben von Mein schöner Garten vor allem in wärmeren, feuchten Kellern zum Faulen, und nasse Knollen bringen genau diese Feuchtigkeit mit ins Lager.
Aussortieren: Welche Knollen ins Lager dürfen
Nach dem Abtrocknen nehmen Sie jede Knolle einzeln in die Hand. Weiche, angefaulte oder verschimmelte Stücke gehören auf den Kompost, denn sie würden im Winterlager ohnehin verderben, wie Mein schöner Garten schreibt. Bei einer wertvollen oder seltenen Sorte können Sie einen Rettungsversuch machen: Faulstellen mit einem scharfen Messer herausschneiden und die Schnittstelle mit Holzkohlepulver bestreuen, was der NDR und Mein schöner Garten gleichermaßen empfehlen. Solche Knollen lagern Sie getrennt von den gesunden, damit die Fäulniserreger nicht auf die übrigen übergreifen. Bei Allerweltssorten verzichten Sie auf diesen Aufwand, denn eine weiche Knolle im Lager ist ein Risiko für alle anderen in derselben Kiste. Eingelagert werden nur gesunde, unverletzte Knollen, und wer unsicher ist, entscheidet gegen die Knolle.
Das Winterquartier: Kiste, Zeitungspapier, Sand
Mein schöner Garten beschreibt die Lagerung so: Kiste mit Zeitungspapier auslegen, eine dünne Schicht Kiessand oder ein trockenes Sand-Torf-Gemisch einfüllen, eine Lage Knollen darauflegen, komplett mit dem Material bedecken und bei Bedarf die nächste Lage aufsetzen. Der MDR wickelt die Knollen stattdessen in Zeitungspapier und legt sie in eine Holzkiste. Ein Gemisch mit Torf ist eine Option, nötig ist es nicht: Mein schöner Garten lässt auch Kiessand gelten, und der MDR kommt mit Zeitungspapier und Sand aus. Nach Sorten getrennt oder einzeln beschriftet zu lagern, ist dabei Pflicht, sonst war das Etikett am Beet umsonst.
Bei der Feuchtigkeit sind die Quellen sich nicht einig. Der NDR rät in sehr trockenen Räumen zu leicht feuchtem Sand oder Blättern, damit die Knollen nicht austrocknen, der MDR empfiehlt bei trockenen Räumen dagegen trockenen Sand als Schutz vor dem Austrocknen. Wir beginnen mit trockenem Sand und prüfen bei der ersten Kontrolle: Wirken die Knollen schrumpelig, kommt etwas Feuchtigkeit dazu, werden sie weich oder schimmeln, war es zu feucht. Diese Kontrolle steht ohnehin alle drei bis vier Wochen an, wie es Mein schöner Garten empfiehlt, und dabei sortieren Sie jede Knolle aus, die nicht mehr einwandfrei ist.
Gladiolen, Canna und Knollenbegonien: andere Knollen, andere Regeln
Die Dahlie ist nicht die einzige Sommerblume, die den Winter nicht draußen übersteht. Die folgende Übersicht stützt sich auf die Angaben der Gartenakademie Rheinland-Pfalz; wo andere Quellen abweichen, steht es im Text darunter.
| Pflanze | Ausgraben | Lagertemperatur | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Knollenbegonie | rechtzeitig vor den ersten Frösten | ca. 10 °C | dicht nebeneinander stellen, etwa vier Wochen abtrocknen lassen |
| Dahlie | nach dem ersten leichten Frost | ca. 5 °C | dunkel lagern, Stängel kürzen |
| Canna | vor dem ersten Frost oder direkt danach | ca. 8 bis 15 °C | Erde am Wurzelstock lassen, nicht ganz austrocknen |
| Gladiole | bevor der Boden gefriert | ca. 8 bis 12 °C | abtrocknen lassen, luftig aufbewahren |
Knollenbegonien sind die Eiligen unter den Knollen: Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz warnt, dass bei ihnen das Laub abfriert, wenn es noch nicht abgetrocknet ist, und rät deshalb, sie samt Ballen vor den ersten Frösten aus dem Boden zu nehmen. Wer Knollenbegonien im Kasten hat, sollte also nicht auf den Dahlien-Termin warten. Gladiolen haben ihren eigenen Rhythmus, und die übliche Regel für Blumenzwiebeln, auf das Vergilben des Laubs zu warten, hilft hier nicht weiter. Floragard nennt Mitte November als Zeitpunkt und weist darauf hin, dass das Vergilben bei Gladiolen schon zu spät sein kann, weshalb viele Gärtner die Pflanzen ausgraben, solange das Laub noch grün ist, wobei möglichst wenig Grün abgeschnitten werden sollte. Nach dem Ausgraben kürzen Sie die Stängel auf ein bis zwei Zentimeter über der Knolle, entfernen die kleinen Brutzwiebeln und lassen die Knollen eine weitere Woche trocknen. Die Lagertemperatur nennt Floragard mit 5 bis 8 °C, die Gartenakademie Rheinland-Pfalz mit 8 bis 12 °C; beide betonen kühl, trocken, frostfrei und luftig. Zeitungspapier im Karton genügt, aber legen Sie nicht mehr als drei Schichten übereinander, damit sich die Knollen nicht gegenseitig zerdrücken.
Bei der Canna bleibt die Erde am Wurzelstock, er darf bei wärmerer Lagerung nicht völlig eintrocknen, und die Stängel werden auf rund zehn Zentimeter gekürzt (Mein schöner Garten nennt 15). Dahlien im Kübel dürfen laut NDR auf keinen Fall draußen bleiben; sie überwintern mitsamt Topf dunkel und kühl, die Stängel werden bis auf wenige Zentimeter gekürzt, und in trockenen Räumen darf die Erde gelegentlich etwas Feuchtigkeit bekommen.
Zurück ins Beet: nicht vor Ende April
Gepflanzt wird erst wieder, wenn keine Frostgefahr mehr besteht. Der MDR rechnet je nach Witterung mit Ende April oder erst Mitte Mai. Bis dahin ist die Kiste im Keller Ihre einzige Aufgabe, und die besteht aus einem kurzen Blick alle drei bis vier Wochen. Findet sich im Januar eine weiche Knolle, ist das kein Drama. Eine weiche Knolle, die zwischen den gesunden liegen bleibt, schon.