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Heizkörper entlüften im Oktober: Reihenfolge, Wasserdruck und wann der Fachbetrieb übernimmt

Zum Start der Heizsaison sammelt sich Luft in den Heizkörpern. Wie Sie in fünf Minuten pro Heizkörper entlüften, welcher Wasserdruck passt und wann Sie besser den Fachbetrieb rufen.

Heizkörper entlüften im Oktober: Reihenfolge, Wasserdruck und wann der Fachbetrieb übernimmt

Der erste kühle Morgen im Oktober, die Heizung springt nach der Sommerpause wieder an, und irgendwo im Haus beginnt es zu gluckern. Der Heizkörper im Schlafzimmer wird unten brav warm, doch oben, auf den letzten zehn Zentimetern, bleibt er so kühl wie eine Fensterbank. Viele Hausbesitzer drehen dann reflexartig das Thermostat höher oder lassen die Vorlauftemperatur am Kessel anheben, obwohl das Problem gar nicht an der Wärme liegt, sondern an einer Luftblase, die dem Heizwasser den Platz wegnimmt. Beheben lässt sich das in etwa fünf Minuten pro Heizkörper, und der Zeitpunkt passt: Die Heizperiode gilt nach der Rechtsprechung üblicherweise vom 1. Oktober bis zum 30. April.

Woran Sie Luft im Heizkörper erkennen

Luft gelangt auf unterschiedlichen Wegen in einen Heizkreislauf, etwa beim Nachfüllen von Wasser oder über kleine Undichtigkeiten an älteren Verbindungen, und nach einer langen Pause sammelt sich davon oft einiges an. Weil Luft leichter ist als Wasser, steigt sie in jedem Heizkörper nach oben und bildet dort ein Polster, das vom Heizwasser nicht mehr durchströmt wird. Der Heizkörper gibt dadurch weniger Wärme ab, erwärmt sich langsamer und macht die typischen Geräusche, wenn Blasen durch die Rohre gedrückt werden. Das Verbraucherportal Bayern und der Energieversorger EnBW nennen als Obergrenze der Einsparung bis zu 15 Prozent der Heizkosten, wenn Heizkörper regelmäßig entlüftet werden. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz weist zugleich auf die gängige Fehlreaktion hin: Wer bei halb kalten Heizkörpern lieber die Vorlauftemperatur erhöht oder die Pumpe eine Stufe höher stellt, kann damit den Energieverbrauch in die Höhe treiben, statt die Ursache zu beseitigen. Deshalb lohnt sich in der ersten Heizwoche ein Rundgang mit der flachen Hand an Heizkörpern, die richtig warm sind. Achten Sie dabei auf diese Hinweise:

  • Oben kalt, unten warm: das klassische Zeichen für ein Luftpolster.
  • Gluckern, Blubbern oder Pfeifen, das vor allem nachts auffällt, wenn sonst nichts im Haus zu hören ist.
  • Ein Raum, der trotz eingestelltem Thermostat deutlich langsamer warm wird als im letzten Winter.
  • Ein einzelner Heizkörper, der als einziger im Haus kalt bleibt (hier steckt oft ein klemmendes Thermostatventil dahinter, mehr dazu weiter unten).

Was Sie zum Entlüften brauchen

Ein Entlüftungsschlüssel, ein Auffanggefäß und ein Lappen, mehr ist es nicht.

Den Schlüssel gibt es in jedem Baumarkt für meist nicht mehr als einen Euro, und für die meisten Heizkörper in Deutschland passt der Vierkant mit 5 Millimetern Innenmaß; im Zweifel messen Sie das Ventil vorher kurz nach. Als Gefäß genügt ein flacher Becher oder eine kleine Schüssel, die sich dicht unter das Ventil halten lässt, denn das austretende Wasser kann heiß sein und spritzt, solange noch Luft im Strahl steckt. Ein altes Handtuch unter dem Heizkörper schützt Parkett und Laminat. Neuere Modelle haben statt des Vierkants oft einen Schlitz, den Sie mit einem Schraubendreher öffnen. Von der Zange raten wir ab: Wer abrutscht, beschädigt das Ventil, und aus einer Fünf-Minuten-Arbeit wird ein Handwerkertermin.

Manche Heizkörper haben gar kein Vierkantventil, weil sie einen automatischen Entlüfter besitzen. Dann entlüftet sich der Heizkörper von selbst, und Sie können ihn bei Ihrem Rundgang auslassen.

Vorbereitung: Pumpe aus, Thermostate auf Stufe 5

Stellen Sie die Heizung zuerst ab, damit das Wasser nicht ständig umgewälzt wird und die Luft sich in den Heizkörpern sammeln kann. Je nach Anlage gibt es am Regler einen Schalter, meist mit der Stellung „Sommerbetrieb“, „0“ oder „Aus“; bei älteren Anlagen sitzt am Heizkreisverteiler die Umwälzpumpe mit einem kleinen Schalter, erkennbar am runden Gehäuse mit Herstellerlogo, etwa von Wilo oder Grundfos. Lesen Sie vorher das Handbuch Ihrer Anlage, denn nicht jeder Regler reagiert gleich. Danach drehen Sie alle Thermostate im Haus auf die höchste Stufe, damit die Luft ungehindert zum Entlüftungsventil aufsteigen kann, und warten zwischen 30 Minuten und einer Stunde. Wer diese Wartezeit auslässt, bekommt beim Öffnen des Ventils womöglich nur wenig Luft heraus, weil sich noch nicht alles oben gesammelt hat.

Mieter in einer Zentralheizung haben oft keinen Zugriff auf die Pumpe. Auch dann funktioniert das Entlüften, es ist nur weniger gründlich, weil weiter Luft im System kreist. Sinnvoll ist die Absprache mit der Hausverwaltung, denn in Mehrfamilienhäusern hängen alle Wohnungen am selben Leitungsnetz, und wer allein entlüftet, löst das Problem meist nur kurzzeitig.

Schritt für Schritt: So entlüften Sie jeden Heizkörper

Bevor Sie den ersten Schlüssel ansetzen, gehen Sie zum Kessel und lesen am Manometer den Anlagendruck ab. Notieren Sie den Wert samt Datum, denn nach dem Entlüften wird er niedriger sein, und Sie wollen wissen, um wie viel.

  1. Gefäß unter das Ventil halten, Lappen darum legen.
  2. Ventil mit dem Schlüssel langsam eine Viertel- bis halbe Drehung gegen den Uhrzeigersinn öffnen, keinesfalls weiter.
  3. Auf das Zischen warten: Das ist die entweichende Luft, und es kann ein bis zwei Minuten dauern, bis sie draußen ist.
  4. Sobald ein gleichmäßiger Wasserstrahl ohne Blasen kommt, das Ventil wieder schließen, ohne es zu überdrehen.
  5. Ventil und Heizkörper abwischen, dann zum nächsten Heizkörper.

Der häufigste Fehler ist ein zu weit geöffnetes Ventil. Dreht man es zu hastig auf, kann der Vierkantstift herausfallen, das Heizwasser spritzt unkontrolliert, und die Luft entweicht trotzdem nicht vollständig. Öffnen Sie lieber zweimal vorsichtig als einmal mutig.

Bei der Reihenfolge sind sich die Anleitungen übrigens nicht ganz einig. Viessmann und EnBW beginnen bei mehreren Etagen im untersten Stockwerk und arbeiten sich nach oben, weil Luft im geschlossenen System aufsteigt. ELCO nennt als Faustregel den Heizkörper mit dem längsten Weg zum Kessel zuerst, meist im Obergeschoss. Wir empfehlen für das Einfamilienhaus den Weg von unten nach oben, gefolgt von einer kurzen zweiten Runde im Obergeschoss, wenn Sie dort noch ein Gluckern hören; mit dieser Kontrollrunde macht der Unterschied zwischen den Methoden praktisch nichts mehr aus. Zum Schluss schalten Sie die Pumpe oder den Regler wieder ein und drehen die Thermostate auf die gewohnte Stufe zurück.

Wasserdruck prüfen: Der Teil, den viele vergessen

Mit jedem Entlüften verliert die Anlage etwas Heizwasser, und der Druck sinkt. In vielen Einfamilienhäusern liegt er im kalten Zustand grob zwischen 1,0 und 2,0 bar, der passende Wert hängt aber vom Höhenunterschied zwischen Wärmeerzeuger und höchstem Heizkörper ab. Als Richtwert nennt Viessmann diese Formel: Höhenunterschied in Metern mal 0,1, dazu 0,5 bar Reserve.

Höhe vom Kessel bis zum höchsten HeizkörperRichtwert für den Anlagendruck (kalt)
5 Meter1,0 bar
8 Meter1,3 bar
10 Meter1,5 bar
15 Meter2,0 bar

Ist der Druck unter den Wert gefallen, den die Betriebsanleitung Ihrer Anlage nennt, muss Wasser nachgefüllt werden. Hier gilt ausnahmsweise: Verzichten Sie darauf, es zum ersten Mal ohne Anleitung selbst zu tun. Das Füllwasser muss klar sein und der VDI-Richtlinie 2035 entsprechen, und beim Befüllen darf kein Heizwasser in die Trinkwasserleitung gelangen, weshalb Viessmann spezielle Füllarmaturen empfiehlt. Der Hersteller rät deshalb, das Nachfüllen am besten einem Fachmann zu überlassen. Wer einen Wartungsvertrag hat, bittet den Installateur beim nächsten Termin, den Druck einzustellen und zu zeigen, wo der Füllhahn sitzt.

Fällt der Druck nach dem Nachfüllen innerhalb weniger Wochen erneut ab, ist das kein Zeichen von Pech. Viessmann nennt als häufigste Ursache neben einer Undichtigkeit ein Ausdehnungsgefäß mit falschem Vordruck oder defekter Membran, und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät bei sehr häufigem Entlüften, die Anlage von einem Heizungsfachbetrieb auf Undichtheiten prüfen zu lassen. Automatische Heizkörperentlüfter für etwa 5 bis 15 Euro pro Stück, wie sie EnBW nennt, sind erst dann sinnvoll, wenn die Ursache für die Luft geklärt ist; vorher verdecken sie lediglich ein Symptom.

Wenn der Heizkörper trotz Entlüften kalt bleibt

Dann liegt es meist nicht mehr an der Luft. Ein klemmendes Thermostatventil, wie es nach einer langen Sommerpause vorkommen kann, lässt zu wenig Wasser durch den Heizkörper, ein zu niedriger Anlagendruck erreicht das Dachgeschoss nicht mehr, und in selteneren Fällen ist die Umwälzpumpe zu schwach eingestellt oder defekt. Kommt beim Öffnen des Entlüftungsventils weder Luft noch Wasser, fehlt es meist an Druck im System oder das Ventil selbst ist defekt, und der Austausch gehört dann in die Hand eines Fachbetriebs.

Eine Fußbodenheizung folgt eigenen Regeln. Sie hat im Wohnraum kein Ventil zum Aufdrehen, und das Entlüften erfolgt als Spülen der Heizkreise, was Material und Erfahrung verlangt. EnBW rät, das einem Fachbetrieb zu überlassen, und nennt dafür je nach Rohrmaterial einen Abstand von zwei bis fünf Jahren.

Was das Entlüften wirklich bringt

Übertriebene Erwartungen sind fehl am Platz. Die bis zu 15 Prozent sind eine Obergrenze und beziehen sich auf das gesamte Heizsystem, wie die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz betont. Im einzelnen Raum kann der Verbrauch sogar steigen, denn ein Zimmer, das vorher nie richtig warm wurde, verlor über die Außenwand weniger Energie, und jetzt wird es wieder mollig und kostet entsprechend. Das ist kein Grund, die Luft im Heizkörper zu lassen, sondern ein Hinweis darauf, dass Komfort und Verbrauch zusammenhängen. Wer die Heizkosten tatsächlich drücken will, stellt im Anschluss die Thermostate bewusst ein: Nach Angaben der Verbraucherzentrale Energieberatung steht bei vielen Thermostaten die Stufe 3 für etwa 20 Grad Celsius und heizt nicht langsamer als Stufe 5, und Möbel sollten mindestens 30 Zentimeter Abstand zum Heizkörper haben.

Hängen Sie den Entlüftungsschlüssel direkt neben das Manometer am Kessel und schreiben Sie den heutigen Druckwert mit Datum auf einen Zettel daneben. Schauen Sie im November und im Januar noch einmal darauf: Hält die Anlage ihren Druck, ist sie dicht, und der Schlüssel bleibt bis zum nächsten Oktober im Schrank.