Schimmel vorbeugen

Schimmel im Herbst vermeiden: Richtig lüften, messen und kalte Ecken finden

Morgens beschlagene Scheiben und ein muffiger Geruch im Schlafzimmer sind die ersten Warnzeichen. Wie Sie mit Hygrometer, Stoßlüften und einem Blick auf kalte Ecken vorbeugen, zeigt dieser Artikel.

Schimmel im Herbst vermeiden: Richtig lüften, messen und kalte Ecken finden

Der erste kalte Morgen, an dem die Scheiben beschlagen

Irgendwann im Oktober passiert es in fast jedem Haushalt: Morgens perlt Wasser an den Fensterscheiben, im Schlafzimmer riecht es ein wenig muffig, und hinter dem Kleiderschrank zeigt sich ein grauer Schatten an der Wand. Diese drei Anzeichen hängen zusammen. Warme Raumluft kann viel Wasserdampf aufnehmen, und sobald sie an einer kalten Oberfläche abkühlt, schlägt sich dieser Dampf als Feuchtigkeit nieder. Genau an solchen Stellen, also an Fensterrahmen, Außenecken und Wänden hinter Möbeln, siedeln sich Schimmelpilze an, die vor allem Feuchtigkeit und organische Nahrung aus Staub und Tapetenkleister brauchen. Viele Bewohner reagieren darauf mit mehr Heizen, andere vermuten einen feuchten Keller, dabei liegt die Ursache meist im Zusammenspiel aus Lüftungsverhalten, Raumtemperatur und Bauteil. Wer dieses Zusammenspiel versteht, kann mit wenig Geld viel erreichen. Im Folgenden geht es um die drei Stellschrauben, die Sie tatsächlich in der Hand haben: Messen, Lüften und das Auffinden kalter Stellen.

Die Luftfeuchte messen, statt zu raten

Der erste Schritt kostet weniger als ein Abendessen im Restaurant: ein Thermo-Hygrometer, das Raumtemperatur und relative Luftfeuchte anzeigt. Geräte von Herstellern wie Hama oder TFA Dostmann gibt es in Baumärkten und Onlineshops für wenige Euro bis etwa 20 Euro. Das Umweltbundesamt empfiehlt für Wohnräume eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent. Liegt der Wert dauerhaft darüber, steigt das Schimmelrisiko deutlich, besonders wenn gleichzeitig Wandflächen kalt sind. Platzieren Sie das Gerät weder direkt neben der Heizung noch im Fensterrahmen, sonst messen Sie die Kälte an dieser Stelle statt des Raumklimas. Messen Sie über ein bis zwei Wochen morgens und abends, dann sehen Sie, ob ein Raum dauerhaft zu feucht ist oder nur nach dem Duschen kurz ansteigt. Gerade das Schlafzimmer lohnt diesen Blick, weil dort acht Stunden Atmen und Schwitzen zusammenkommen, oft bei geschlossener Tür und Heizung auf Absenkbetrieb.

Ein Wert von 62 Prozent im Wohnzimmer ist kein Grund zur Panik, und ein günstiges Gerät zeigt nicht auf den Zehntelprozentpunkt genau an. Entscheidend ist der Verlauf über mehrere Tage. Ein Raum, der nachts regelmäßig deutlich über 60 Prozent steigt und morgens wieder fällt, verhält sich anders als einer, der dauerhaft knapp darunter hängt. Notieren Sie Datum, Uhrzeit und Auffälligkeiten wie Wäschetrocknen oder Duschen, dann erkennen Sie das Muster in wenigen Tagen. Genau diese Notizen helfen später auch einem Fachbetrieb, die Ursache schneller einzugrenzen.

Richtig lüften: Stoßlüften statt Kipplüftung

Die Kipplüftung ist im Winter die häufigste Fehlerquelle.

Stoßlüften heißt, das Fenster ganz zu öffnen, und zwar mehrmals täglich für einige Minuten. Die Verbraucherzentralen nennen dafür grob fünf bis zehn Minuten, je nach Außentemperatur und Jahreszeit, bei Frost eher etwas kürzer. Wir empfehlen, zwei- bis dreimal täglich quer zu lüften, also gegenüberliegende Fenster kurz zu öffnen, wenn die Raumaufteilung das zulässt. Warum die Kipplüftung schlechter abschneidet, liegt an der Physik: Ein dauerhaft gekippter Flügel tauscht zwar Luft aus, kühlt aber Fensterrahmen und Laibung stetig aus, und genau dort kondensiert die Feuchtigkeit. Der Heizkörper unter dem Fenster gleicht diesen Verlust nicht aus, weil er die kalte Außenluft nicht ersetzt, sondern nur den Raum erwärmt. Ein Dauerkippen im November kann also mehr Heizenergie kosten und trotzdem Schimmel an der Fensterlaibung fördern. Es gibt allerdings Ausnahmen: In sehr dicht sanierten Wohnungen mit wenig natürlichem Luftwechsel kann ein Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung nötig sein, und dann gelten andere Regeln als beim klassischen Altbaufenster.

Wie lange genau gelüftet werden sollte, hängt auch von der Fensterart ab. Bei alten Holzfenstern entweicht die Luft ohnehin ständig durch undichte Fugen, dort reicht oft ein kürzerer Stoß. Moderne Kunststofffenster mit dichten Falzen tauschen dagegen kaum Luft aus, und genau dort helfen die wenigen Minuten vollständig geöffneter Fenster. Drehen Sie beim Lüften die Thermostatventile kurz herunter und danach wieder hoch, so bleibt die Wärme in den Wänden erhalten.

Kalte Ecken und Wärmebrücken finden

Dann lohnt der Blick auf die Außenwände. Eine Wärmebrücke ist eine Stelle in der Gebäudehülle, an der Wärme schneller nach außen abfließt als im Rest der Wand. Typisch sind Ecken zwischen zwei Außenwänden, Anschlüsse an Betondecken, Rollladenkästen und Wandabschnitte, hinter denen ein Heizkörper hängt oder ein großer Schrank steht. Ein Infrarot-Thermometer für wenige Euro zeigt in wenigen Minuten, wo die Oberfläche deutlich kälter ist als die Nachbarfläche, und genau dort steigt das Schimmelrisiko. Die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz stehen in der DIN 4108-2; für eine einzelne Altbauwand ist das eher Orientierung als eine Pflicht zur Nachrüstung. Für ältere Häuser heißt das praktisch: Möbel mit einigen Zentimetern Abstand zur Außenwand aufstellen, damit die Luft dahinter zirkulieren kann, und Vorhänge nicht über Heizkörper hängen. Wer hinter einem großen Schrank an der Außenwand Schimmel findet, hat meistens kein Lüftungsproblem im Raum, sondern eine Ecke, die nie richtig warm wird.

Lässt sich die kalte Stelle mit Möbelabstand und Lüften nicht in den Griff bekommen, wird es technisch. Eine Innendämmung ist möglich, verlagert aber den Taupunkt in die Wand, deshalb sollte sie nur nach einer fachlichen Planung erfolgen. Dafür eignet sich eine unabhängige Energieberatung, etwa bei den Verbraucherzentralen, die Sie vor einer Investition zu Dämmung und Wandaufbau beraten. Gerade bei Altbauten mit Ziegel- oder Natursteinwänden lohnt dieser Schritt, bevor Sie Geld in Anstriche stecken, die nach einem Winter wieder abblättern.

Bad, Küche und Schlafzimmer: Wo die Feuchte entsteht

Feuchte entsteht nicht gleichmäßig in der Wohnung, sondern an wenigen Orten mit klarer Herkunft. Das Bad ist der erste Kandidat: Eine Dusche gibt in wenigen Minuten große Mengen Wasserdampf ab, und wenn der Lüfter fehlt oder nur kurz läuft, setzt sich die Feuchte an Fliesenfugen, Silikonrändern und an der Decke ab. Ein Fenster allein reicht in kleinen Bädern oft nicht, deshalb lohnt sich bei Sanierungen ein Ventilator mit Nachlauf, der nach dem Duschen automatisch weiterläuft. Die Küche ist der zweite Schwerpunkt, denn Kochen, Spülen und Wasserkochen erzeugen ebenfalls viel Dampf, meist direkt neben Fenstern oder Außenwänden. Ein Deckel auf dem Topf und die Dunstabzugshaube auf einer mittleren Stufe verringern diese Last spürbar, auch wenn die Haube selten die gesamte Feuchte abführt. Im Schlafzimmer ist das Problem subtiler: Acht Stunden Atmung geben Feuchte ab, die Tür bleibt geschlossen, und wenn die Heizung nachts abgesenkt ist, kühlen die Außenwände stärker aus als der Raum.

Wir raten zu einem Badlüfter mit Feuchtesensor oder Nachlaufschaltung, weil ein Gerät ohne diese Funktion nach dem Duschen oft zu früh abschaltet. Ein Blick auf die Fugen lohnt ebenfalls: Schwarze Punkte im Silikon sind häufig ein Zeichen dafür, dass Feuchte dauerhaft hinter die Dichtung gelangt. Hier hilft Wischen allein nicht, sondern nur das Erneuern der Fuge mit Sanitärsilikon aus dem Baumarkt. Fachleute empfehlen, neue Fugen erst auf vollständig trockenem Untergrund anzubringen, sonst bleibt Feuchte eingeschlossen. Wenn Sie den Schimmel nur entfernen, ohne die Fuge zu erneuern, kommt er meist schnell zurück.

Wenn der Schimmel schon sichtbar ist

Wenn sich bereits Schimmel gezeigt hat, klären Sie zuerst die Ursache, bevor Sie die Fläche wischen. Wer nur abwischt, entfernt die sichtbaren Sporen, lässt aber die Feuchtigkeit in der Wand, und der Befall kehrt zurück. Das Umweltbundesamt rät davon ab, Schimmel mit Bioziden oder Chlorreinigern zu behandeln, und empfiehlt stattdessen, die Stelle feucht mit Wasser und Spülmittel abzuwischen, dabei Einmalhandschuhe zu tragen und Staub nicht trocken aufzuwirbeln. Als Faustregel nennt die Behörde für Eigenreinigung eine Fläche von etwa einem halben Quadratmeter; größere Schäden oder Befall hinter Putz und Verkleidung gehören in die Hand eines Fachbetriebs. Nicht jeder dunkle Fleck ist übrigens Schimmel, denn Schmutz, Kerzenruß oder Stockflecken sehen ähnlich aus, deshalb lohnt sich ein genauer Blick vor dem Schrubben. Wer zur Miete wohnt, meldet den Befall am besten schriftlich und mit Fotos an den Vermieter, bevor er selbst größere Arbeiten beginnt.

Nach der Reinigung kommt die Kontrolle. Lassen Sie die Stelle etwa zwei Wochen trocknen und messen Sie erneut, ob die Luftfeuchte im Raum unter 60 Prozent bleibt. Taucht der Fleck nach dem Trocknen wieder auf, liegt die Ursache oft hinter der Wand, etwa in einer undichten Leitung oder an einem kalten Anschluss. In diesem Fall sollten Sie keine weitere Farbe darüberstreichen, sondern den Untergrund öffnen lassen. Eine Schimmelschutzfarbe überdeckt das Problem, löst es aber nicht.

Entfeuchter, Wäsche und Alltag

Ein Luftentfeuchter ist sinnvoll, wenn sich die Ursachen im Alltag nicht vermeiden lassen. Viele Haushalte trocknen die Wäsche im Winter drinnen, und eine volle Waschmaschinenladung gibt dabei spürbar viel Wasser an die Raumluft ab. Trocknen Sie deshalb möglichst im Keller oder auf dem Balkon, und halten Sie die Schlafzimmertür geschlossen, wenn Wäsche im Raum hängt. Ein Gerät von Trotec oder einem anderen Anbieter sammelt Wasser aus der Luft, verbraucht aber Strom und muss regelmäßig geleert werden. Stellen Sie es mit dem Hygrometer ein, sonst läuft es dauerhaft und treibt die Stromrechnung nach oben. Nach dem Duschen die Tür geschlossen halten und kurz querlüften, beim Kochen den Deckel auf den Topf setzen, das sind Gewohnheiten, die kaum etwas kosten. Ein Entfeuchter ersetzt aber keine Lüftung und keine Dämmung; er ist eher ein Hilfsmittel für Kellerräume oder Wohnungen mit wenig Luftwechsel. Eine kurze Runde vor dem ersten Frost lohnt sich trotzdem, denn sie kostet nur einen Nachmittag:

  • Hygrometer an der Wand prüfen und die Werte der letzten Woche notieren.
  • Fensterfugen auf Zugluft prüfen, im Zweifel ein Dichtungsband aus dem Baumarkt einkleben.
  • Möbel mit Abstand vor Außenwänden aufstellen.
  • Keller- und Abstellräume nicht ohne Lüftung verschließen.
  • Nach einer Woche Stoßlüften die Werte erneut vergleichen, ob sich die Kurve gesenkt hat.

Ein Raum, der nach zwei Wochen Messung immer noch über 60 Prozent liegt, braucht mehr als Lüften, und dann lohnt der Anruf bei der Verbraucherzentrale, bevor der Schimmel im Dämmstoff sitzt.