Wenn der Garten unter Raureif liegt und die Bäume kahl dastehen, sehen Sie endlich, was Sie das ganze Jahr über tun sollten: jeden Trieb, jede Astgabel, jede Stelle, an der sich Zweige gegenseitig das Licht nehmen. Genau das macht den Winter zur besten Zeit für den Erziehungsschnitt an Apfel und Birne. Die Bäume ruhen, der Saft steht tief im Holz, und ein beherzter Schnitt schwächt sie nicht, sondern lenkt im Frühjahr die ganze Kraft in die wenigen Triebe, die Sie behalten haben. Wir empfehlen, den Schnitt zwischen Mitte Januar und Anfang März zu legen, und zwar an einem Tag, an dem es seit dem Morgen frostfrei ist.
Warum der frostfreie Tag wirklich zählt
Schneiden Sie nicht bei klirrender Kälte. Gefrorenes Holz splittert an der Schnittstelle, die Wunde franst aus, und genau dort setzt sich später Pilzbefall fest. Liegt das Thermometer dagegen ein paar Grad über null, lässt sich das Holz sauber durchtrennen und der Baum verschließt die Wunde im Frühjahr schneller. Ein bedeckter, milder Januartag mit zwei oder drei Plusgraden ist ideal, ein sonniger Tag mit Nachtfrost dagegen riskant, weil die Rinde sich tagsüber erwärmt und nachts wieder einfriert. Prüfen Sie morgens kurz die Wettervorhersage und verschieben Sie den Termin lieber um eine Woche, statt bei minus fünf Grad loszulegen.
Lichte Krone statt dichtes Gestrüpp
Das Ziel jedes Schnitts an Apfel und Birne ist eine lichte, gut durchlüftete Krone, durch die ein Vogel ungehindert fliegen könnte. Klingt poetisch, hat aber einen handfesten Grund: Wo Luft und Sonne hinkommen, trocknen die Blätter nach Regen schnell ab, und Schorf hat es deutlich schwerer. Entfernen Sie zuerst alles Tote, Kranke und sich Kreuzende, danach die steil nach oben schießenden Wasserschosse, die nur Holz und keine Früchte bringen. Konkurrenztriebe, die mit dem Leittrieb um die Spitze wetteifern, schneiden Sie konsequent zugunsten eines einzigen Mitteltriebs heraus.
- Wasserschosse erkennen Sie an ihrem senkrechten, peitschenartigen Wuchs aus dem Astinneren; sie gehören in aller Regel komplett weg.
- Nach innen wachsende Zweige, abgestorbenes Fruchtholz und alles, was an einer anderen Stelle scheuert.
- Konkurrenztriebe zur Stammverlängerung, damit der Baum eine klare Spitze behält.
Sauberer Schnitt und sauberes Werkzeug
Schneiden Sie dünne Äste auf Astring, also dicht am Ansatz, ohne den verdickten Wulst zu verletzen, aus dem heraus der Baum die Wunde überwächst. Für stärkere Äste empfehlen wir die Astsäge und den Schnitt in zwei oder drei Etappen, damit die Rinde nicht einreißt, wenn der Ast unter seinem Gewicht abbricht. Eine scharfe Bypass-Schere von Gardena oder Felco kostet zwischen 25,00 und 60,00 EUR und hält bei guter Pflege ein halbes Gärtnerleben. Wischen Sie die Klinge nach jedem kranken Baum mit Spiritus ab, denn Schere und Säge tragen Krankheiten von Baum zu Baum, und gerade Feuerbrand verbreitet sich auf diesem Weg erschreckend schnell.
Eine Sache noch, die viele übersehen: Steinobst gehört nicht in diese Winterrunde. Kirsche, Pflaume und Pfirsich schneiden Sie besser im Sommer kurz nach der Ernte, weil sie über die offenen Wunden im Winter leicht Gummifluss und Pilze bekommen. Bei Apfel und Birne ist der Winterschnitt dagegen seit Generationen die richtige Wahl, und ein gut geschnittener Baum dankt es Ihnen mit Früchten, die Sonne und Luft gesehen haben.