Saatgut

Saatgut prüfen und Keimprobe machen: Was übersteht den Winter?

Saatgut prüfen und Keimprobe machen: Was übersteht den Winter?

Irgendwann im Januar holen die meisten Hobbygärtner ihre Saatgutkiste hervor und stehen vor einem Durcheinander aus halb leeren Tütchen, undatierten Papierumschlägen und selbst gesammelten Körnern in alten Marmeladengläsern. Bevor Sie im Februar aussäen und sich vier Wochen später über leere Anzuchttöpfe ärgern, lohnt sich eine halbe Stunde Sortierarbeit. Denn nichts ist frustrierender, als die beste Anzuchterde, einen warmen Fensterplatz und viel Geduld an Samen zu verschwenden, die längst nicht mehr keimen. Wir empfehlen, jedes Tütchen kurz in die Hand zu nehmen und zwei Fragen zu stellen: Wie alt ist das, und keimt es überhaupt noch?

Wie lange Saatgut wirklich hält

Die Haltbarkeit unterscheidet sich von Art zu Art erheblich, und genau hier scheitert die pauschale Faustregel „drei Jahre“. Tomaten, Gurken und Kürbis bleiben bei trockener, kühler Lagerung gut und gern vier bis sechs Jahre keimfähig, während Pastinake, Schwarzwurzel, Porree und Zwiebel oft schon nach einem einzigen Jahr stark nachlassen. Möhren und Petersilie liegen irgendwo dazwischen und sollten Sie spätestens nach zwei bis drei Jahren ersetzen. Das auf der Tüte aufgedruckte Datum gibt übrigens nur die Mindesthaltbarkeit an, nicht den Zeitpunkt, ab dem nichts mehr geht, und gerade selbst gesammeltes Saatgut hält bei richtiger Lagerung oft länger als gekauftes.

Die Keimprobe auf dem Küchenpapier

Bei allem, was zwei Jahre oder älter ist, machen Sie am besten eine Keimprobe, und das geht denkbar einfach. Legen Sie zehn Samen auf ein feuchtes Stück Küchenpapier, falten Sie es locker zusammen, schieben Sie das Ganze in einen offenen Gefrierbeutel und stellen Sie es an einen warmen Ort, etwa auf den Kühlschrank oder neben die Heizung. Halten Sie das Papier gleichmäßig feucht, ohne dass die Samen im Wasser schwimmen, und schauen Sie je nach Art nach sieben bis vierzehn Tagen nach.

  • Keimen 8 bis 10 von 10 Samen, ist das Saatgut top und Sie können bedenkenlos normal aussäen.
  • Bei 5 bis 7 säen Sie einfach dichter, dann gleicht die höhere Menge die Lücken aus.
  • Unter 4 lohnt sich der Aufwand nicht mehr; solche Tütchen wandern auf den Kompost.

Richtig lagern, gezielt nachkaufen

Der häufigste Fehler ist nicht das Alter des Saatguts, sondern die Lagerung in der feuchtwarmen Küche oder im Gartenhaus, das im Sommer zur Sauna wird. Samen halten am längsten kühl, trocken und dunkel, idealerweise in einer verschlossenen Blechdose mit einem kleinen Beutel Silicagel oder etwas trockenem Reis darin. Eine Schublade im unbeheizten Flur oder das Gemüsefach im Kühlschrank funktioniert hervorragend, ein Regal über der Heizung dagegen ruiniert selbst frisches Saatgut innerhalb eines Jahres. Nachkaufen sollten Sie gezielt das, was die Keimprobe durchfallen ließ, sowie kurzlebige Arten wie Porree und Pastinake, und für diese greifen Sie ruhig zu frischer Ware von Kiepenkerl, Sperli oder einer regionalen Bezugsquelle, wo ein Tütchen meist zwischen 1,50 und 4,50 EUR liegt.

Wer einmal angefangen hat, datiert seine Tütchen mit Bleistift und legt die ältesten nach vorn, so wie im Supermarkt die Milch. Klingt pingelig, spart aber jedes Frühjahr genau die Enttäuschung, mit der dieser Artikel begann.