Wenn draußen noch Schnee liegt und der Garten Wochen von der ersten Aussaat entfernt ist, beginnt die Saison drinnen auf der Fensterbank. Tomaten und Paprika gehören zu den dankbarsten Pflanzen für die Anzucht im Haus, und wer sie selbst vorzieht, hat die Wahl aus Hunderten Sorten, die kein Gartencenter im Mai als Jungpflanze führt. Der ganze Erfolg hängt an vier Stellschrauben: dem richtigen Zeitpunkt, der passenden Erde, genug Wärme zum Keimen und vor allem genug Licht danach. An der letzten scheitert es in deutschen Wohnungen am häufigsten.
Der richtige Zeitpunkt
Paprika braucht deutlich länger als Tomate, und deshalb darf er früher in die Aussaatschale. Säen Sie Paprika und Chili bereits Ende Februar bis Mitte März, denn von der Aussaat bis zur ersten reifen Frucht vergehen gut fünf Monate. Tomaten dagegen schießen schnell ins Kraut und sollten erst Mitte bis Ende März dran sein, sonst stehen sie viel zu groß und vergeilt auf der Fensterbank, lange bevor sie nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freie dürfen. Wer zu früh sät, hat keine besseren, sondern schwächere Pflanzen, das ist die häufigste Fehleinschätzung von Anfängern.
Erde, Wärme und Licht
Verwenden Sie spezielle Anzuchterde und keine normale Blumenerde, denn die magere, nährstoffarme Anzuchterde zwingt die Wurzeln, sich nach Nahrung zu strecken, und das gibt ein kräftiges Wurzelwerk. Zum Keimen brauchen beide Arten Wärme, ideal sind 22 bis 25 Grad, wie sie ein Zimmergewächshaus auf der Fensterbank oder ein Platz über der Heizung liefert. Sobald die ersten Keimlinge sich zeigen, ändert sich aber alles, und genau diesen Wechsel verpassen viele.
Jetzt zählt Licht, und zwar viel mehr, als ein Fensterbrett im März hergibt.
- Ohne ausreichend Licht vergeilen die Keimlinge, das heißt sie schießen blass, dünn und kippelig in die Höhe und kippen später um.
- Ein nach Süden gerichtetes Fenster hilft, reicht im zeitigen Frühjahr aber selten allein aus.
- Eine einfache LED-Pflanzenlampe für 20,00 bis 40,00 EUR über der Schale macht aus dünnen Stängeln stämmige, gedrungene Pflanzen.
Pikieren und abhärten
Haben die Sämlinge nach den ersten beiden Keimblättern ihr erstes Paar echter Blätter gebildet, werden sie pikiert, also einzeln in eigene Töpfe gesetzt. Fassen Sie die kleinen Pflanzen dabei nie am empfindlichen Stängel an, sondern immer an einem Keimblatt, und setzen Sie Tomaten ruhig etwas tiefer ein, weil sie am verschütteten Stängel zusätzliche Wurzeln bilden. Wir empfehlen, jeder Pflanze einen eigenen Topf von mindestens 9 Zentimetern zu geben, damit die Wurzeln Platz haben. Vor dem Umzug ins Freie kommt der letzte, oft vergessene Schritt: das Abhärten.
Stellen Sie die Jungpflanzen ab Anfang Mai tagsüber für ein paar Stunden an einen geschützten Platz nach draußen und holen Sie sie abends wieder herein, jeden Tag etwas länger. So gewöhnen sie sich an Wind, direkte Sonne und kühlere Nächte, statt im Mai mit einem Sonnenbrand auf den Blättern dazustehen. Wer diesen Schritt überspringt, verliert manchmal in einem einzigen sonnigen Nachmittag, was er drei Monate lang herangezogen hat.